Neulich hatten wir es hier vom Thema „Wellness“. Ging um Duschgel und Seife. Nein, keine Kommentare bitte, auch ich wasche mich gelegentlich.. ;-) Aber dazu später noch mehr…

Kurz danach erreichte mich eine kommerzielle Anfrage zu einem Wellness-Thema – und ich mußte grinsen und dachte ein wenig darüber nach, was es damit eigentlich auf sich hat. Warum es für uns so wichtig geworden ist… immerhin mit allen Nebenschauplätzen angeblich ein Markt mit einem Jahresvolumen von über 70 Milliarden Euro, alleine in der BRD.

Was ist eigentlich „Wellness“?

Während der Begriff „Wellness“, seinerzeit noch „wealnesse“ geschrieben, bereits im 17. Jahrhundert nachgewiesen ist, wurde das das Konzept im heutigen Sinne erst Mitte des 20. Jhds. in den USA populär und breitete sich seither immer mehr aus in Sprachgebrauch, Bewußtsein und Leben.

Der Begriff ist nicht scharf definiert, umfaßt aber ein mehr oder minder „ganzheitliches“ Verständnis von Gesundheit, körperlicher und geistiger Fitness und Ausgewogenheit, und mentalem und körperlichem Wohlbefinden.

Da das Wort nicht patentiert, „geschützt“ und paragraphisiert wurde, wird es zudem natürlich zum Anpreisen einer Vielzahl teils sehr merkwürdiger Produkte eingesetzt, die unerläßlich sind, um sich wohlzufühlen…

Gesunde Ernährung gehört zur Wellness – und kommt gut ohne ‚Nahrungsergänzungsmittel‘ aus. Z.B. frische Maracuja-Kerne, *schleck*

Dabei reicht die Palette von gesundheitsschädlichem Blödsinn („kalorienreduzierter“ Mist, möglichst noch mit Aspartam verpanscht, und jede Menge unsinnige „Nahrungsergänzungsmittel“…) über kontraproduktive Angstmacherprodukte (ohne DAS hier bekommen Sie gaaanz bestimmt Krebs…) bis hin zu sinnvollen Dingen, wie sanften Trainingsgeräten, Meditations-Know-how und -zubehör, MindMachines, vollwertigem Essen, Entspannungshilfen, und körperlichen Wohlfühlgaranten, wie Sprudeleinsatz für die Badewanne, Heimsauna oder Relax-Liege mit Lieblings-Kuscheldecke… ;-)

…und warum brauchen wir das?

Ich bin einige Jahre im Anzug und mit zwei Handys herumgelaufen, hatte ein Vielfliegerkärtchen und ein halbwegs dazu passendes Einkommen – und war, das gehörte auch in der „New Economy“ zu Status und Selbstverständnis dazu, immer wichtig und „im Stress“. Als Ausgleich wurde so einiges benötigt – von Fitness-Studio (jaja, war ich ein paarmal) bis Sauna (öfter), von gutem Lagavulin-Whisky (ähem, klassisches Wellness-Getränk ;-)) bis Pfeifenrauch, von Brainwave Entrainment bis Meditation und allerlei Aroma-Essenzen für’s Badewasser oder ein super-leckeres Weleda-Citrus-Shampoo. Dabei spielten sowohl die einzelnen Dinge selbst und ihre unmittelbare Wirkung eine Rolle, mindestens ebenso aber der Akt des Kaufens/Genießens, das „Sich-etwas-Gutes-Tun“, das „Sich-bewußt-um-sich-Kümmern“

Jetzt lebe ich schon etliche Jahre sehr anders. Im Schnitt mit sehr wenig Geld, aber auch sehr wenig Stress. Seit über einem Jahr in Paraguay, zwar noch relativ bürgerlich wohnend und noch nicht in der Form, wie ich es mir auf Dauer vorstelle, aber bereits mit einem sehr entspannten Lebensstil und weitestgehend abgekoppelt vom stressigen „Grundrauschen“ westlicher „Zivilisation“. Vor ein paar Wochen kam meine Gefährtin nach – und irgendwie fiel uns auf, daß ich ein sehr „leckeres“ Duschgel, das ich seinerzeit mitgenommen hatte, immer noch im Bad stehen hatte, fast unangetastet. Ich habe mich die ganze Zeit hier mit einem banalen Stück Seife gewaschen. Und auch wenn Duschen bei den hiesigen Temperaturen manchmal eine große Freude ist – so hat es für mich nie mehr den Stellenwert von Entspannung, Aura-Reinigung und Ent-Stressung gehabt wie früher. Das zieht sich quer durch alle Lebensbereiche.

„Wellness“ ist ein Ausgleich für eine unnatürliche, schizoide Lebensweise, die man uns als „normal“ beigebracht hat, die wir aber unterschwellig nicht ertragen und zu der wir einen Ausgleich suchen. Der Durchschnittsamerikaner arbeitet, meist in zwei bis drei Jobs, mehr Stunden pro Woche als ein mittelalterlicher Bauer… und auch in Europa sind die „Privatisierer“ und „Humankapital“-Ausbeuter feste dabei, unter dem Vorwand von „Terror“ und selbstinszenierter „Finanzkrise“ die Schrauben weiter anzuziehen. Boomfaktor für den Wellness-Markt garantiert…

Was verstehen wir „Aussteiger“ unter „Wellness“?

Wer sich aus dem kollektiven Hamsterrad ein wenig oder auch ein wenig mehr ausgeklinkt hat, verspürt, wie schon angedeutet, seltener das Bedürfnis, als Ausgleich zur nicht artgerechten Massenmenschhaltung sich in Wellness-Angeboten zu ergehen. Aber das ist wie mit „Freiheit von“ und „Freiheit zu“ – man kann auch ohne Druck, einfach nur, weil es Freude macht oder zur eigenen Weiterentwicklung, sich „Gutes“ tun. Und während der 9-5-Büromensch oft nur kurz in eine „Wellness-Oase“ entfliehen kann, haben wir die Möglichkeit, das, was zu unserem Wohlbefinden beiträgt, in den Alltag und unser Leben zu integrieren – das fängt schon dabei an, seinen Körper in natürlicher Nacktheit der Natur und dem Licht aussetzen zu können, wann immer einem danach ist.

Drei Spotlights zum elfischen Wellness-Life ;-):

  • Tiere: wir leben mit Tieren. Nicht im Sinne von „Haltung“ und ohne

    Leben mit Tieren – sehr Wellness-fördernd. Hier ein halbzahmes Wildtäubchen auf meiner Hand.

    kommerziellen Erfolgsdruck. Eher in Form eines achtungsvollen und spielerischen Zusammenlebens, wo zusätzlich hier und da noch ein Ei oder ein Braten anfällt… ;-) Daß Katze-Kraulen beruhigend und gesundheitsfördernd für beide ist, hat sogar die Schulmedizin kapiert, und unser Kater Nibbs ist zwar oft in wichtigen Katzenangelegenheiten unterwegs, aber stellt sich schon hier und da zur Verfügung. Dazu Herumtollen mit Neerah, der Wellness-Hündin, und wenn ich mal wieder zu lange am Rechner gehockt habe, verschafft eine Runde Hühner-Kino (starring: „Los Huhnos“ ;-)) im Garten Amüsement und Entspannung für die Augen.

  • Schwitzen & Wasser: Noch haben wir nicht unser Land, aber dort wird es einen kleinen Bach geben, der zu einem Naturplanschbecken erweitert wird. Für „Pools“ im herkömmlichen Sinne bin ich weniger zu haben, aber natürliches, frisches Wasser, das noch nicht einmal 100% „klar“ sein muß, ist schon etwas Schönes. ;-) Besonders in Kombination mit etwas, das in fast allen alten Kulturen sowohl zur körperlichen als auch spirituellen Reinigung gehörte und das ich auch in der Zivilisation als eine der sinnvollsten Varianten von Wellness betrachtet habe: Schwitzen. Tun wir hier im Sommer eh, aber eine kleine Sauna-Hütte, vermutlich dank indianischer Einflüsse bei meiner Gefährtin in Form einer indianischen Schwitzhütte, wird mit ganz einfachen Mitteln Wohlgefühl und Raum für rituelle Entfaltung bieten.
  • Geist: eine der wichtigsten Zutaten für echte Wellness ist nicht, externen „Das-brauchst-Du“-Angeboten hinterherzuhecheln, sondern zu lernen, mit seinem Körper und seinem Geist/“Seele“, etc. wieder zu verbinden und zu kommunizieren. Die meisten Menschen merken ja nicht einmal, wenn ihnen etwas nicht bekommt und spüren nicht, wenn ihr Körper etwas fordert. Diese Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist Teil jeder wirklichen Selbst-Entwicklung. Kann man einfach durch bewußtes Handeln und Hin-Lauschen im Alltag trainieren, und durch Techniken wie Meditation (in welcher Form sie einem auch liegen mag), Brainwave Entrainment und Hypnose, etc. unterstützen. Tun wir permanent – und tut gut.

… und was kann der arme Zivilisations-Konsum-Zombie tun? Wellness im eigenen Haus

Heimsauna: die Wellness-Oase im eigenen Haus (Bild: Edinger Shops)

Wer in einem Münchner Appartment oder einem niedersächsischen Reihenhäuschen lebt und ordentlich in die westliche Konsumgemeinschaft integriert ist, hat es ein wenig schwerer. Rauchende Schwitzhütte im Garten ruft die Ordnungshüter und das Bauamt auf den Plan, nackt rumlaufen ist außerhalb von Freikörper-Reservaten meist auch nicht drin, und ständig trommelt die Komsumpresse die neuesten Entspannungsgebote in Auge und Ohr…

Wichtig ist auch hier, Wellness nicht auszugliedern und ghettoisiert nur im Urlaub und kurzen Fluchten in Wellness-Oasen anzustreben. Sondern Verantwortung für sein eigenes Wohlbefinden im Alltag zu übernehmen, konkret an seinem Mindset zu arbeiten, und wo immer es geht Rituale (z.B. eine Stunde wie auch immer geartetes „Herunterfahren“ bevor man Schlafen geht – nicht aus dem Hamsterrad oder von der Glotze ins Bett springen…) und sinnvolle Entspannungsmöglichkeiten ins eigene Haus/Heim und Leben zu integrieren.

Vieles davon ist einfach durch mehr Bewußtheit und ohne Geräte oder großen finanziellen Aufwand machbar. Anderes ist durch entsprechende Produkte leichter oder überhaupt erst möglich. Drei Dinge, die ich mir zulegen würde, wenn ich noch in der Situation wäre:

  • Gutes Meditationskissen. Banal. Aber lohnt sich. Meditieren (lose angelehnt an buddhistische / Zen-Praktiken, dort ist es am „saubersten“) gehört zu den effizientesten Methoden, Streß abzubauen und zu einem klareren und bewußteren Geist zu gelangen. Dabei sind Schmerzen im Allerwertesten und eine verspannte, vermurkste Haltung im erzwungenen Lotussitz denkbar störend… ein gutes, festes Meditationskissen mit natürlicher Füllung hilft da gerade dem Einsteiger immens.
  • CDs oder eine Mindmachine für BrainWave Entrainment, ggf. gekoppelt mit für den jeweiligen Bedarf passenden Hypnose-Sessions. Unterstützt von Selbstheilung bis geistiger Wachheit und Leistungsfähigkeit so ziemlich alles und ist von Einschlafen bis „Erleuchtung“ ;-) eines der effizientesten Tools, das wir gegenwärtig in dieser lustigen Sandkastenwelt zur Verfügung haben. Regelmäßige Leser hier wissen, das ich damit seit Jahren arbeite und in Zukunft auch mehr dazu schreiben werde.
  • Wer die Möglichkeit in Sachen Platz und Geld hat: eine Sauna ist mit das Beste, das man seinem Körper UND seiner Seele schenken kann, und zwar am besten eine, die einem daheim zur Verfügung steht und wo man sich in jeder Hinsicht gehen-lassen kann. Und da kann man dann den ganzen Schmutz aus Seele und Poren schwitzen und noch eine Weile im Hamsterrad „funktionieren“ – oder sich zur Klarheit schwitzen und irgendwann neue Wege beschreiten… ;-)
  • …und weil aller guten Dinge meist VIER sind *lach* – ab dem zweiten Halbjahr 2014 erscheinen auf unserer Publikationsplattform WaldWort.com eine ganze Reihe kleiner eBook-Ratgeber, mit praktischen, einfachen und leicht umsetzbaren Tips für ein einfacheres und lebenswerteres Leben! Vormerken, und Platz auf dem Kindle schaffen… ;-)

2 Antworten auf Wellness – das Gute Leben zurückholen?

  1. Dennnie sagt:

    Hey Martin, schön mal wieder von dir zu lesen. Freut mich, dass deine Gefährtin nun auch „drüben“ ist. Grüß mal schön! :-)

    Ich hab mal ne Frage zu der Schwitzehütte: Wenn die grad unbesetzt ist, könnte man da drin doch bestimmt auch Eisen verhütten, oder? Natürlich wird hinterher ordentlich ausgefegt. Versteht sich. Was meinste???

    Ein Eisenerz- und Kohletagebau würde sich doch sicher schön machen im Paradies, woll?

    Gruß aus Hammerfest (Sauwetter hier und skyrimgeschädigt)

    Dennie :-D

  2. Franz sagt:

    Hi Martin,

    ja wirklich schön mal wieder von Dir zu hören. Ich für meinen Teil bin zwar noch ordentlicht im Hamsterrad aber, nachdem ich durch allerlei körperliche „Erscheinungen“, lernen durfte drehe ich das Rädchen doch erheblich langsamer. Mein Körper und die Psyche danken es mir.

    Herzliche Grüße
    Franz

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