Es ist 6:14 Uhr. Regen. Aber nicht der hier übliche Sturzregen, sondern relativ gemütlicher. Ich stehe mit verschränkten Armen auf der Terrasse, unterm Vordach, an die Seitenwand gelehnt.

Auf meinen Unterarmen liegen zwei Handvoll Katze – schlafend und sehr warm. Neben meinen Füßen, auf einem alten, zerrupften Schaffell, blinzelt meine noch junge Hündin in den dämmerigen Regen hinaus…

Es war eine kurze Nacht, 5:20 aufgestanden – die sechs halbwüchsigen Hühner, die vor wenigen Tagen bei mir eingezogen sind, waren mir gestern Abend entwischt. Hatte versucht, sie zu erziehen, sie sollten in ihrem neuen Latten-Verschlag schlafen, nicht auf dem Limonenbäumchen über dem Ziegelhäuschen der Enten. Daraufhin hatten sich die Hühnerchen über den Zaun ihres Geheges gemacht und im Garten verkrümelt…

Drei hatte ich noch gefunden (hier wird es sehr schnell sehr dunkel…), aus den Bäumen gepflückt und unter lautem Gezeter wieder ins Gehege verfrachtet (auf ihr selbstgewähltes Schlafbäumchen…), eins war ohnehin dageblieben, zwei fehlten… und da hier gefräßige Köter und andere Gefahren auf kleine Hühner lauern war ich etwas besorgt gewesen und extra früh aufgestanden, um die Ausreißer zu suchen und einzusammeln…

Nun, im Frühlicht zeigte sich, daß ein weiteres sich selbst zurückgewuselt hatte, vielleicht hatte ich es auch nachts übersehen (ist schwarz und klein und gut getarnt im Dunkel…), und das letzte „Vermißte“ hüpfte fröhlich aus dem Hibiskus am Haus, wo ich zwar abends nachgesehen hatte, aber Hühnchen haben ein beachtliches Talent, sich zu verstecken…

Merke: wenn Deine Hühnerchen gerne auf einem Limonenbaum pennen wollen – laß sie halt. ;-)

Jetzt wuseln sie wieder alle sechs im Gehege herum und hauen sich nach der aufregenden Nacht eine Extra-Portion Mais rein. Auf dem Wall am kleinen Teich stehen die beiden Moschus-Enten, breiten von Zeit zu Zeit die Schwingen und schütteln den Regen ab.

Ja – Tiergefährten.

Neerah, die Junghündin, Nibbs, das Katzenkind, und mein Fuß in trauter Eintracht ;-)

Seit Jahrtausenden begleiten sie uns und wir sie. Ich hatte lange keine – seit mein Kater Muri vor vielen Jahren in München abhanden kam. Jetzt habe ich wieder eine passende Lebenssituation und werde wohl auch die nächsten Jahre genug Land um mich haben, um ein paar Wesen neben mir und mit mir leben zu lassen.

Ich habe zu Tieren ein spezielles Verhältnis, und oft sind sie mir näher als dieses vermurkste Menschengetier… Fasziniert verfolge ich, was sich in den letzten Jahren an neuen (und teils nicht so neuen) Erkenntnissen über Tiere ins allgemeine Bewußtsein vorgearbeitet hat, Erkenntnisse aus der „konventionellen“ Verhaltensforschung, aber auch in Bereichen wie der „Tierkommunikation“[1. guter Einstieg das Buch von Amelia Kinkade, „Straight from the Horse’s Mouth , auch auf Deutsch (leider mäßig übersetzt) ], wo etwas unmittelbarer (wenn auch nicht minder fehlbar) mit diesen Wesen gesprochen wird.

In jedem Fall wird es Zeit, unser Bild vom „Tier“, das meist noch von der ergebnisorientierten Brutalität der „Nutztierhaltung“ oder religiös motivierter Herrenrassenideologie geprägt wird, zu revidieren.

Das Denken und Fühlen, Hoffen und Träumen, Leben und Wirken und Sprechen der Tiere ist zwar durchaus von unserem verschieden, aber viel weniger, als wir meist noch denken. Nein, es geht nicht darum, Tiere „zu vermenschlichen“, das läßt man lieber, aus mehr als nur einem Grund. Nein, es geht „nur“ darum, sie als eigenständige Wesen zu achten und sich dessen bewußt zu sein, daß sie wohl ein bißchen weniger Technik entwickelt und weniger den Planeten zerstört haben als wir, aber ansonsten keineswegs „weniger wert“ oder „dümmer“ wären als wir.

Und in vielem sind sie weiser und wissender als wir – beim Umgang mit „Krankheiten“ und „Heilen“ (speziell Katzen), beim Wahrnehmen vieler Realitätsebenen (Hunde bellen nicht „leere Ecken“ an, sie sehen nur ein wenig mehr…), in ihrem Umgang mit Leben und Tod (für Tiere scheint der Vorhang zwischen den Welten deutlich durchlässiger zu sein)…

Für mich besteht übrigens kein Widerspruch darin, sie so zu sehen – und dennoch hier und da achtungsvoll einem dieser Wesen das Leben zu nehmen und mich fröhlich und dankbar an seinem Fleisch zu erfreuen. Das wird unter Tieren auch sehr unkompliziert gehandhabt…

Ich vermeide tendenziell auch die Über-Mystifizierungen (nicht jeder Tiergefährte muß „DAS Krafttier“ sein).

Aber Tiergefährten sind für mich auch immer Freunde, Lehrer, Schüler und geachtete Weggefährten. Und ich lerne von ihnen mindestens ebenso viel, wie sie von mir.

In den nächsten Tagen werde ich ein paar der Wesen, die hier mit mir leben, vorstellen, den Anfang machen die Gänse, die leider nicht so alt werden durften, wie ich es ihnen versprochen hatte…

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4 Antworten auf Tiergefährten

  1. Stefan sagt:

    Woher kommen denn die Katzen? :-o Das mit den Gänsen klingt super, sag rechtzeitig bescheid :-D. Hoffe dem Fuß geht’s auch wieder gut und die Hühner vermehren sich wie äh Hühner halt.

    • Martin (SiteAdmin) sagt:

      EINE Katze (füllt aber schon ZWEI Hände, großes Katzenbaby), reicht, Stefan… ;-) stolperte mir bei Karin vor die Füße, kleines weißes Katzenfindelkind… *lach* Mit den Gänsen biste zu spät dran, ich mochte sie dann eh nicht essen (Versprechen gelten auch Tieren gegenüber) und habe die Kadaver verschenkt. Zorro, Ferdis sonst ja ganz niedlicher Wolfshunddepp, hat sie nachts auf ihrer Schlafinsel überfallen und gekillt. Und weil ich zu langsam war mit der Machete, hat er es überlebt, der Sack. Als Trost hat Thomas mir dann die zwei Moschusenten geschenkt. Und die sechs Hühnerchen vermehren sich noch nich, die sind noch zu jung dafür… ;-) …aber hühnern hier schon ganz tapfer überall rum, sind ja erst paar Tage da… ;-))

      Und Du? Was machen die fünf kleinen Halb-Bolivianer und der Westentaschenhund?? *lol*

  2. Stefan sagt:

    Das ist natürlich tragisch mit den Gänsen – hätte nicht gedacht das sie so alt werden können :-o. Moschusenten… naja klingt ja nicht nach besonders würdigem Ersatz.

    Bzgl. der fünf kleinen Halb-Bolivianer – hier wurde jetzt ganz offiziell beschlossen ein Waisenheim für Kinder halb-deutscher Abstammung aufzubauen, irgendwie ist deren Zahl seit dem 12. Mai exorbitant gewachsen und die Regierung kann sich einfach nicht erklären warum.

    What the fuck ist ein Westentaschenhund?!

    • Martin (SiteAdmin) sagt:

      dochdoch, die Warzis, wie die Moschusenten wg. der dekorativen Gesichtswarzen auch genannt werden, sind schon schon auch total niedlich… sind halt was anderes, mehr die Clowns. Dafür legen sie mehr Eier ;-)

      Westentaschenhund = diese kleinen Nicht-Hunde, die Du doch bevorzugst, wenn ich mich recht erinnere… auch Rennratte genannt…

      Lasse Er es sich gutgehen! Und laß das mit dem Waisenhausnachschub…. tststs…. ;-)

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