Nach einem eigentlich nur mittelheftigen Unwetter war hier letzte Woche wie gewöhnlich mal wieder der Strom weg. Nichts besonderes, kein Grund zur Aufregung. Das ist hier oft so, wenn der Wind etwas auffrischt oder mal ein paar Tropfen und Blitze mehr kommen. Paraguay hat zwar jede Menge Strom, aber das Leitungsnetz ist spektakulär marode.

Normalerweise ist zwei, drei Stunden später der Saft wieder da, manchmal sogar schneller. Und nachdem beim Internet-Provider irgendjemand mit einer Handkurbel den zentralen Router neu angeworfen, die Affen wieder auf den Stromversorgungsfahrrädern festgebunden und den Antennenmast ein wenig gestreichelt hat, geht dann gewöhnlich ein bis zwei Stunden später oder zumindest “irgendwann” auch das Netz wieder.

Dieser Stromausfall allerdings dauerte ein wenig länger: rund 18 Stunden. Während ich nachmittags einkaufen war, gingen im Laden für rund 3 Sekunden die Lichter und die Kühltruhen wieder an – dann wieder Sense.

Erst abends schickte die ANDE, die staatliche Energieversorgungsgesellschaft, wieder einen stetigen und halbwegs zulänglichen Elektronenfluß vorbei…

Netz dagegen: blieb tagelang verschollen.

Auf Nachfrage (EIGENTlich wäre zu erwarten, daß ein Provider von sich aus seine Kunden informiert, wenn es mal wieder länger dauert…) erfuhr ich, daß anscheinend der ganze Antennenmast, der uns hier versorgt, sich beim Sturm sauber zerlegt hatte. Na gut – sowas kommt vor.

Warum dann allerdings eine Ersatzlösung über 5 Tage dauert, und nicht wenigstens nach 24 Stunden ein Provisorium steht, bleibt das Geheimnis unseres Providers. Witz.

Ich habe keinerlei Probleme mit abwechselnd löcherigen und schlammigen Erdstraßen, Bussen, die zu recht individuellen Zeiten an den Haltestellen vorbeikeuchen, Kühen auf den Straßen, gelegentlichen Stromausfällen, etc.pp.

Im Gegenteil, bei den meisten Dingen finde ich die Nonchalance hier sehr angenehm – aber ab ein paar Stunden ist beim Strom der Spaß vorbei, und wenn Internetzugang mehr als 6 Stunden gestört ist, dann hat jemand was schlichtweg ganz erbärmlich nicht im Griff und meine Laune wird schlecht, ganz abgesehen davon, daß mich jeder Offline-Tag Geld kostet, von dem ich noch nicht unbedingt zu viel habe.

Vorausgesetzt, wir bleiben hier in der Gegend, werde ich Lösungen finden müssen – eine eigene Backup-Stromversorgung und redundanter Internet-Zugang via 3G und/oder Satellit sind hier leider unverzichtbar, wenn man das Netz sinnvoll nutzen will und/oder damit arbeitet.

Negativer Nebeneffekt der Aktion: seit Tagen will ich ein kleines Kundenprojekt fertigstellen – aber offline geht das nun einmal nicht. Lästig.

Positiver Nebeneffekt: ich habe einige Bücher 1gelesen, die auf meiner Festplatte schon eine halbe Ewigkeit Staub ansetzten… ;-)

Ausufernder Zeittotschläger: Dya-Na-Sore

U.a. “The Lost Symbol” (Dan Brown), “Dya-Na-Sore oder Die Wanderer” (Wilhelm Friedrich von Meyern) und Paulo Coelho, “The Manual of the Warrior of Light”.

Dan Brown wie immer mainstreamkompatibel, nicht ganz der Umberto Eco, den manche in ihm sehen, aber auf seine Art brilliant und ziemlich “dicht dran”. Und mit indirektem Bezug zu einem der anderen Bücher, die ich las:

Der “Dya-na-Sore”-Schinken: höchst schwerverdaulich und nur in meinen Blickwinkel geraten, weil einer der wenigen, die ich Freund nenne, es mir gab. Aber höchst interessant – und, wenn man den um 1800 üblichen “Vaterland”-Schwulst, das grauslige “Süß ist es und ehrenvoll, für’s Vaterland zu sterben” und all die hübschen geharnischten Heldenjünglinge rausfiltert, beachtlich, was vor nunmehr gut 200 Jahren in maurerischen und sonstigen “Bundes”-Kreisen an Ideen und Bewußtheit unterwegs war.

Z.B. dieses, nachdem sie feststellen, daß sie das dämliche Volk umsonst vom Tyrannen befreit haben, und zum Dank gehetzt und vertrieben werden:

“…die der unverdorbene Gebrauch ihres Lebens besserer Empfindungen fähig macht. Dort suche im Bunde mit dem Bergvolke von Khoras das Bessere zu gründen; von dort aus mag es einst sich weiter verbreiten; dorthin ziehe alle, denen diesz Land nicht genügt, denen eine edle Armuth freudiger dünkt, als Überflusz unter Thorheit. Und fehlts euch an Platz, so liegen im Meere noch Inseln, die ihr bewohnen könnt. Eilt, ehe die Übermacht euch zertritt!” “Eilt, sprach Terglud, dasz wir diesem Lande der Ansteckung entrinnen. Übers Meer auf die Inseln, dasz selbst die Luft uns nicht mehr erreiche!”

Oder die Fortsetzung dieses Gedankens im Nachwort:

“Freylich ist es eine miszliche Sache, Hand an Übel zu legen, die von tausendfachem Eigennutze bewacht – nur den Kampf zerrüttender Leidenschaften wecken. Aber jenseit des Meeres, auf den Inseln der stillen Entfernung, wo in seinen Wäldern noch menschenleer ein Land die Ruhe des ersten Schöpfungstags zeigt, da öffnet sich eine Stätte, wo der Gute mit dem Guten in allem Genusse der Wahrheit und des Rechtes sich begegnen könnte, wo ein Volk sich gründen liesze, das in hoher Reinheit, losgerissen den Unarten seines alten Stammes, die Flamme edlerer Menschheit bewahrte.

Eine große Mannigfaltigkeit schmerzender Erfahrungen hat ihren Kreislauf vollendet, aber noch hat nach tausend miszverstandenen einzelnen Wahrheiten kein lange bestehendes Volk seine Rettung in der Wahrheit selbst gesucht. Man hat das Einzelne verbessert, man hat im Stolz und im Taumel die Glorie seines weltumfassenden Jahrhunderts vergöttert: aber immer vergessen, dasz bey so verwickelten Krankheiten e i n e geheilte – zwar ein verlängertes, aber kein glücklicheres Daseyn verheisze. Nur eine im kleinen neu sich bildende Gesellschaft kann aus reiner Erkenntnisz hervor gehen.”

Yeah. Right. Seelige Zeiten waren das. Die maurerische Utopie der USA ging gründlich nach hinten los. Und heute ist keine Insel mehr zu finden, die man nicht erst Staaten und Banken (synonym zu gebrauchen), oder anderen Wucherern und Spekulanten abschachern müßte. Wir bleiben trotzdem dran.

Und Coelho? – dazu hier künftig eine kleine Serie mit ein paar Anmerkungen zu den Weisheiten aus dem “Handbuch des Kriegers des Lichts”.

  1. mehr Info und Bestellmöglichkeit mit Click auf das jeweilige Cover – – - – – - –

8 Antworten auf Stromausfall, Netzausfall, Leseanfall

  1. Stefan sagt:

    Ich muss mal sagen mein Blick auf das “schlechte” Leben in Deutschland hat sich schon geändert seitdem ich im Ausland wohne. Man merkt, dass auch in Deutschland nicht alles schlecht ist (aber vieles haha). Gerade in Sachen Preise bin ich manchmal verwundert, dass es in DE gar nicht so teuer ist. Vor allem wenn man als Parameter nicht nur Preis nimmt sondern auch Preis vs. Qualität… (16MB High Speed + Festnetz für 19,95?!)…

    Hast du das Buch “Wir fressen uns zu Tode!” auf deiner Platte? Kann man nirgends als Warez finden ;-(. Magst du mir auch das Buch vom Paulo schicken? Dan Browns neuestes Buch hab ich angelesen fand ich aber gähnend langweilig also nach ein paar Seiten wieder weggelegt.

    Oder besser gesagt ein paar Button-Klicks :-p.

    Hehe während dich der Stromausfall ans Bett fesselt ist’s bei mir leider ne kleine Infektion ;-). Gut das man die harten Drogen hier in der Farmacia kaufen kann so spart man sich die “Praxisgebühr”.

    Cool! Grad was ausgehustet, dass wie der Kopf meiner Oma aussieht.

    Bin ich hier eigentlich der einzige Vollidiot der regelmäßig kommentiert?

    • Die Antwort auf den Vollidiot überlasse ich Dir, *lach*
      Ja, Kommentare sind hier eher selten. Die meisten, die hier mitlesen, sind Menschen, die nicht so netz-affin sind wie wir, und die sich nicht so gerne öffentlich äußern. Im Schnitt bekomme ich lustigerweise eher eMails mit Nachfragen/Kommentaren als daß die Leute hier im Blog posten, was sie zu sagen haben…
      Das ist ok. Ich schreibe nicht um der Debatte willen, wenn ich streiten will, kann ich das mit mir selbst am ergiebigsten tun ;-)
      Und wer was von dem, was ich schreibe, brauchen kann, der holt sich das schon…

      Coelho schicke ich Dir, das andere Teilchen habe ich nicht, solche Titel kommen mir nicht mehr auf die Platte.

      Und daß man beim Verlassen Deutschlands auch eine ganze Reihe Bequemlichkeiten und “moderne” Annehmlichkeiten aufgibt – damit war zu rechnen. Das meiste ist mir dabei ja herzlich schnuppe, nur als Netzmensch ist man etwas aufgeschmissen, wenn es dermaßen unzuverlässig funktioniert, muß man sich halt nen Zweitzugang zulegen…

      Gute Besserung! Genug Glaube hilft ja bekanntlich, auch trotz der harten Drogen gesund zu werden… ;-)

  2. Dieter Hadi sagt:

    Ich habe interesse an Paraguay. Wo kann man für wieviel Geld gut in Paraguay leben?
    Danke für eine Antwort und liebe Gruesse aus Deutschland.

    • Sorry Dieter, – so kann man das kaum beantworten… Hängt zu sehr von Deinen Erwartungen ab und der Art, wie Du leben willst…
      Mancher ist froh, wenn er in Independencia oder in einer der Mennoniten-Kolonien unter Deutschsprachigen leben kann, andere wollen dort um Himmels willen nicht hin und leben irgendwo anders in PY, wo es möglichst wenig Deutsche gibt. Und natürlich spielt es auch eine Rolle, ob Du in einer Kleinstadt oder einer einsamen Ranch, in Asuncion oder mitten im Chaco leben möchtest… PY ist groß, auch wenn es auf der Karte nicht so aussieht… ;-)
      Und was das Geld angeht… man kann in Paraguay mit 3-400 Euro gemächlich vor sich hinleben, man kann aber auch hier problemlos einen Lebenswandel pflegen, der ein paar Tausender pro Monat unverzichtbar macht…
      Lies mal meinen Artikel zur “500 Euro”-Frage und die Seiten, die ich darin verlinkt habe.
      Letztlich gilt sowieso: herkommen, umsehen, erstmal Gästezimmer oder Miete, auf keinen Fall überstürzt “irgendwas” kaufen.
      Von Deutschland aus sich hier für einen Ort oder eine Gegend zu entscheiden ergibt keinen Sinn.

  3. Zarathustra sagt:

    Vergssi den 3G Stick. Das Ding habe ich nach 4 Wochen den Jungs bei Tigo vor die Füße geworfen. “Plan 256kbyte” bedeutet maximal 6kbyte, die offene Version soll bis zu 1024kbyte bringen – macht aber höchstens 50kbyte. Und das auch nur mit 70-75% Verfügbarkeit. Fürn Rest ist ganz dunkel…….

    • Hehe, das geht mit “3G” auch in der BRD vielen Leuten so… Problem ist halt, wenn Empfang zu schlecht oder man “zufällig” in einer Region ist, wo “zufällig” die Handymasten die schnellen Übertragungswege noch nicht unterstützen (oder total überlastet sind), dann wird auf uralte Datentransfertechnologien zurückgeschaltet, und die spielen in der von Dir beschriebenen Bandschmalen-Liga…

      3G-Sticks sind beim heutigen Stand, auch in Europa, allenfalls ein Backup, wenn der Rest mal wieder nicht funktioniert (denn zumindest funzen die Teile meist “irgendwie”, solange das Handynetz geht…). Die rein theoretisch möglichen Bandbreiten im oberen DSL-Bereich hat in der Praxis noch fast niemand gesehen…

  4. Janine sagt:

    Also so ziemlich alles, was ich über Paraguay gelesen habe, klang in Ordnung, aber mindestens stabile 2Mbit und stabiles Strom braucht man schon, wenn man beruflich im Internet arbeitet.

    Hat sich die Situation inzwischen verbessert und wohnst du total auf dem Lande oder ist das überall in Paraguay so?

    • Stabile 2 MBit sind hier, zumindest in der Provinz, leider noch unrealistisch. Ausfälle gibt es ständig – bei allen Anbietern, allein schon weil kein Mensch anständige Notstromversorgungen hat und das Stromnetz sich hier öfter mal kurz oder auch länger verabschiedet. Und Bandbreiten liegen meist bei verkauften 128kB bis 1MBit, wobei letzteres nur selten nutzbar ist, weil die Anbieter zu mickrigen Uplink Richtung USA haben, und es in Stoßzeiten nix bringt, wenn sich 50 Kunden einen 4 MBit-Uplink teilen…

      Momentan kommt bissl Bewegung rein, scheint mir, zumindest gibt es einen weiteren Anbieter in unserer Region, der fleißig Werbung macht, und den wir nach unserem demnächstigen Umzug wohl mal ausprobieren werden – http://24-i.net/.
      Werden sehen, was die Jungs in der Praxis bringen, die Tarife klingen ok und Wimax sollte theoretisch zuverlässiger laufen und auch bessere Latenzen/Pinglaufzeiten haben.
      Ich werde berichten. :)

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