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Gartentip: Bambus anpflanzen
Bambus als Nutz- und Zierpflanze im Garten
Bambus ist – neben Hanf – eine der wertvollsten und nützlichsten Pflanzen überhaupt. Und dabei noch hübsch und – wenn ein paar Minimalanforderungen gegeben sind – auch sehr robust. Es gibt eine Vielzahl von Arten, von wildem stachligem Bergbambus, wie er hier in Paraguay ganze Berghänge zuwuchert, bis zu chic gestreiftem Designerbambus. Von friedlich horstbildendem (der im wesentlichen da bleibt, wo man ihn hinpflanzt) bis zu gnadenlos Ausläufer / Rhizome bildendem, der in Nullkommanix ein paar Tausend Quadratmeter zuwächst und auch mit sog. “Rhizomsperren” nicht wirklich in den Griff zu kriegen ist. Praktisch allen ist gemeinsam, daß sie von Nahrung bis Kunstgewerbe, von Baumaterial bis Brennstoff für so ziemlich alles zu brauchen sind.
Und diverse Arten sind sogar winterhart – so daß sie auch in den sogenannten “gemäßigten” Klimazonen (also z.B. im arschekalten Deutschland) wachsen. Und Bambus läßt sich sehr gut und dekorativ in Naturgärten und Permakultur-Anlagen integrieren.
Man nehme: ein bis zwei Stangen Bambus, eine Machete, eine Handsäge, einen kleinen Bohrer oder Ahle.
Wobei man da den Katalogversprechungen nicht immer glauben sollte – die Wuchsleistung von Bambus ist bei deutschen Durchschnittstemperaturen einfach um ein Vielfaches geringer als z.B. hier in den Subtropen, wo man einem Bambusschössling buchstäblich beim Wachsen zusehen kann – etliche Zentimeter pro TAG sind hier völlig normal. In kälteren Weltgegenden braucht man dagegen durchaus ein paar Jahre Geduld, bevor aus den mickrigen Ablegern ein dekorativ rauschender Bambushorst entstanden ist.
Boden, Wasser, Dünger, Rhizomsperren
Wie überall, wo Umsatz gemacht werden soll, empfehlen die “Fachleute” eine Menge überflüssiges Getutzele. Fakt ist: Bambus ist robust, anpassungsfähig und wächst einfach so vor sich hin.
Wichtig ist: der Boden sollte nicht zu schwer und undurchlässig sein, Bambus haßt dauerhaft nasse Füße, da faulen ihm die Wurzeln weg, er ist keine Sumpfpflanze…
Wasser: Bambus braucht recht viel davon (nur eben nicht drin stehen…) Er kann auch längere Trockenheit gut überstehen, allerdings verliert er dann weitgehend die Blätter und treibt erst wieder aus, wenn es wieder was zu trinken gibt.
Dünger: oft wird “Silizium”-Spezial-Bambus-Sauteuer-Dünger angeboten, das ist schlicht Quatsch, jeder halbwegs normale Boden enthält alles, was der Bambus braucht. Man kann Bambus ganz normal ein wenig mit Kompost oder Hühnermist oder wasauchimmer düngen, den Rest regelt er mittelfristig sowieso selbst, denn die zahlreich abgeworfenen Blätter verrotten und bilden nach und nach den idealen Bambusboden. Wichtig: zu viel (Stickstoff- und Phosphat-)Dünger bläht die Pflanze regelrecht auf und senkt die Winterfestigkeit, also nicht übertreiben. Er wächst so schnell oder langsam, wie er wächst…
Rhizomsperren: Plastikwände, dicke Folien oder ähnliches, die im Boden eingegraben werden und die rabiateren Bambussorten daran hindern sollen, ihre messerscharfen Sprößlinge nach allen Seiten auszudehnen… meine Meinung: Geldverschwendung. Entweder gleich ein bis eineinhalb Meter tief eine Betonwand ziehen, oder damit leben, daß Bambus nun mal wächst und bei Bedarf die Machete zücken… Rhizomsperren werden gewöhnlich schnell unter- oder überwuchert, und die billigen werden ganz einfach durchbohrt. Wirksamer: Bambus mit Teich/Wassergräben/Schilfbeet einfassen – sumpfige Böden mag er gar nicht, da bleibt er freiwillig weg.
Bambus vermehren: Stecklinge oder Rhizome oder Stangen verbuddeln?
Um Bambus anzusiedeln, gibt es verschiedene Techniken. Man kann natürlich auch eine fertige Bambuspflanze kaufen – dann gräbt man die halt ein, *lach*
Wer selbst Ableger ziehen will, hat drei Möglichkeiten:
- Stecklinge – Einfach fingerdicke Seitentriebe abschneiden, einen Großteil der Blätter entfernen, das Ende wie bei Schnittblumen lang und flach anschneiden, und in den Boden stecken, möglichst so weit, daß ein bis zwei “Augen”/Wülste in der Erde sind. Feucht halten, aber nicht so, daß die Ableger faulen. Klappt nicht bei allen Sorten, und ist in warm-feuchten Klimazonen definitiv einfacher.
- Rhizome: die meisten Bambusarten bilden Wurzelausläufer, sog. Rhizome. Ein paar dieser Wurzelteile ausbuddeln und abhacken, so knapp unterarmlang. Feucht halten. Am Zielort verbuddeln (zwei Handbreit in die Erde, nicht tiefer). Weiterhin feucht halten.
- Stangensegmente vergraben: – mein Favorit, teilweise in Kombination mit Stecklingen. Warum? Man kann einfach mit dem “Abfall”, wenn man ein paar Stangen zum Bauen / Basteln “geerntet” hat, wieder einen neuen Bambus ziehen, ohne das Wurzelgeflecht des schon existierenden zu verletzen. Und die Methode klappt fast immer. Vorgehen (siehe auch Bilder und Bildunterschriften): Stangensegmente mit einer scharfen Säge zuschneiden (sollten drei “Augen”/ Wülste haben, dort treiben sie wieder aus). Gerade bei trockener Witterung: ein paar kleine Löcher bohren und das Stangeninnere mit Wasser füllen. Mit den Löchern nach oben vergraben, ein bis zwei Handbreit tief. Regelmäßig gießen. Nach zwei bis drei Wochen (kann schwanken, je nach Sorte und Klima) kommen die ersten Schößlinge.
Schädlinge
Die vorbereiteten Segmente werden mit den gebohrten Löchern nach oben flach eingegraben und leicht mit Erde bedeckt. Die abgehackten Seitentriebe kann man darüber verteilen bzw. dazwischen stecken – manche wachsen an. ;-)
Bambus, gerade die nicht allzu überzüchteten Sorten, ist sehr robust und ziemlich immun gegen die meisten Ärgernisse. Aber: er schmeckt, gerade die jungen Triebe.
Die Bambusanpflanzung, von der ich die Bilder für diesen Artikel gemacht habe, hatte nach wenigen Wochen mehrere hüfthohe Triebe.
Jetzt, wo ich dies schreibe (der paraguayische Winter ist gerade zu Ende) ist davon nichts mehr übrig, und es bilden sich immer wieder neue kleine Triebe, die aber erst wieder die Chance bekommen, länger als handlang zu werden, wenn das Nahrungsangebot an frischem Gras etc. wieder besser ist.
Wer war’s? Die wilden Meerschweinchen, die hier lästiger sind als jedes Karnickl… ;-) Also im Zweifelsfall das junge Bambusbeet lieber mit einem kleinen, engmaschigen Maschendrahtzaun schützen, bis die ersten Stangen so dick und hart sind, daß die Nagerbande freiwillig die Zähne davon läßt…
Wo Bambus Ableger kaufen?
Verschiedenste Bambus-Arten von horstbildend bis wuchernd kann man auch in Deutschland in jedem besseren Gartencenter bekommen. Besser als die dortigen, schnell und mit viel Chemie “produzierten” Ableger sind aber Pflanzen von ausgewiesenen Bambus-Züchtern, oder ein paar Rhizome von Hobby-Bambusgärtnern, die man oft günstig über Ebay bekommt.
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