Mir ist die ganze Thematik der wirklichen – meist energetisch / psychischen – Hintergründe von „Krankheiten“ und die Diskussion um die Lücken der schulmedizinischen Erreger-Theorien durchaus geläufig. Aber egal, ob nun ein Virus etwas auslöst oder nur der sichtbar werdende Vollstrecker eines vorher ausgelösten Traumas ist, etc.pp. – es gibt ekelhaftes Zeug, wo die Beschreibungen und pragmatischen Methoden der Schulmedizin die realen Erfahrungen besser treffen und zumindest in der kurzfristigen Notfall-Therapie auch tatsächlich mal helfen. In jedem Fall mehr als halbgares Anti-Gewäsch oder oft schwierig zu analysierende und schwieriger in schnelle Hilfe umzusetzende esoterische Erklärungsansätze.

Wie auch immer: wir bzw. unsere Tiere waren hier nach unserem Umzug mit ziemlich heftigem Schweinkram konfrontiert, und ich gebe die Erfahrung einfach mal weiter, vielleicht hilfts dem einen oder anderen.

Das waren unsere beiden Jungspunde - jetzt lebt leider nur noch Mox, im Bild rechts. Er hat die Parvovirose überstanden.

Das waren unsere beiden Jungspunde – jetzt lebt leider nur noch Mox, im Bild rechts. Er hat die Parvovirose überstanden.

Mir war das Krankheitsbild, das nach schulmedizinischer Sicht vom Parvo-Virus (grundlegende Infos hier im Wikipedia-Artikel bzw. wesentlich ausführlicher im englischen Wikipedia) verursacht wird, jedenfalls nicht geläufig, obwohl es auch in Europa auftritt (wenn auch heutzutage seltener als hier). Wenn man es kennt, und weiß, was zu tun ist, hat der Hund eine Chance – wenn nicht, stirbt er nach 4-5 Tagen, und nicht auf schöne Art.

Wie unsere Kiwa, und viele andere – hauptsächlich junge – Hunde von denen wir mittlerweile gehört haben.

Wir wußten zwar, daß hier gerade ein kleiner Hund krank gewesen war, aber nicht genau, was er hatte, wie häufig diese Erkrankung hier in der Region anscheinend vorkommt, und wie schnell sich dieses Zeug verbreitet. Besonders natürlich, wenn junge Tiere gerade durch Revierverlust/-wechsel und Umzugsgewurschtel ohnehin etwas aus der Balance sind.

Als Kiwa keinen Appetit hatte und häufig kotzte, dachten wir uns erstmal nix. Kommt schließlich vor. Außerdem hatten unsere beiden Junghunde, während wir was erledigen waren, genau an dem Tag auch eine Tüte aus einer Umzugskiste gezerrt und zerlegt, in der meines Wissens Seife und Waschmittel waren…

Wurde aber auch am zweiten Tag nicht besser. Und dann ist der Krankheitsverlauf rapide und unerfreulich: die Schleimhäute, meist im Verdauungstrakt, lösen sich förmlich auf, Sekundärinfektionen mit aggressiven Bakterien, innere Blutungen, am zweiten oder dritten Tag blutiger Durchfall, der so bestialisch stinkt als sei der Hund schon innerlich verwest. Dehydration, Entkräftung. Ein bis zwei Tage später: Tod.

Wenigstens war ich bei ihr, als es zu Ende ging – und meine Hand spürte, wie ihr Herz noch einmal kurz beschleunigte und dann stehenblieb.

Wir erfuhren und begriffen erst am Tag ihres Todes, was sie wirklich gehabt hatte. Ein Vorwurf, den ich mir mache: nicht jeder muß Tierarzt werden, aber wer Tiere hat, sollte grob wissen, was es an häufigen Krankheiten gibt, wie man sie erkennt, und was zu tun ist – gerade wenn man in einem Land lebt, wo es zusätzliche Bedrohungen gibt verglichen mit gemäßigten Klimazonen und die medizinische Versorgung (egal ob schulmedizinisch oder alternativ) weder überall schnell verfügbar noch immer sonderlich gut ist (bzw. meist auf eher „robusten“ Umgang mit „Nutztieren“ ausgerichtet).

Ich hatte von diesem Zeug noch nie gehört – jetzt weiß ich es besser.

Als einen Tag später ihr Bruder Mox die gleichen Symptome zeigte, wußten wir glücklicherweise bereits, worum es ging, konnten blitzartig recherchieren und reagieren.

Er hat es überlebt, wenn auch knapp, 6 Tage hat er gekämpft, ist jetzt wesentlich dürrer als vorher, aber spielt schon wieder (mit dem kleinen Junghund-Weibchen, das unschuldigerweise wohl der Auslöser der Geschichte war… ;-) ) und erholt sich langsam.

Vom örtlichen Tierbedarf bekamen wir die notwendigen Mittel, aus dem Netz die korrekte Dosierung und die beiden entscheidenden Tips, die zusätzlich die Überlebenschancen, die bei diesem rabiaten Krankheitsverlauf nicht sehr gut sind, etwas verbessern.

Die Therapie, die Mox geholfen hat, sich zu heilen (klärt mit Eurem Tierarzt, wenn verfügbar, was bei Euch an entsprechenden Mitteln zu haben ist und/oder ob es neue Erkenntnisse/Therapien gibt. Was bei uns geholfen hat, ist nur eine Anregung und EIN Fall, Stand Mitte 2014…):

  • Antibiotika. Jaja, ich weiß. Bei manchen Dingen nützt halt nur noch der Hammer. Hier geben sie ein Mittel (Floxagen, Wirkstoff Enrofloxacin), das eigentlich wegen möglicher Nebenwirkungen auf die Knochenentwicklung eher für ausgewachsene Tiere gedacht ist, anderswo sind vermutlich Alternativen verfügbar. Dosierung 1 ml pro 10 kg Körpergewicht alle 12 Stunden. Fünf Tage lang. Nicht weniger, lieber noch einen Tag länger.
  • ein Anti-Brech-Mittel, das die Kotzerei und die (auch) damit verbundene Dehydration vermindern soll. Die Wirkung war fragwürdig, die Elektrolyte (s.u.) brachten mehr – Hund trinkt weniger panisch viel Wasser, und kotzt insgesamt weniger. Fragt Euren Tierarzt, was (und ob) er da für sinnvoll hält. Wir hatten Metoclopramida, Dosierung 1ml pro 10kg Körpergewicht alle 6 Stunden, max drei Tage.
  • Stärkungsmittel / Appetitanreger (Leberextrakt mit Vitamin B12), Hepatodex B12 in unserem Fall, einmal täglich 1ml, auch noch ein paar Tage nach Beendigung der Antibiotika-Gaben

Alle drei sind intramuskulär zu spritzen, kann man gut selber machen (der Streß, wegen jeder Spritze zum Tierarzt gezerrt zu werden, muß wirklich nicht sein), Hinterbeinchen bieten sich an.

Die Mittel sind recht haltbar und kostengünstig (hierzulande alles zusammen nebst 3 Spritzen umgerechnet knapp 12 Euro).

Kann man sich, wenn man Junghunde hat und in einem Risiko-Gebiet und/oder abgelegen wohnt, auch mal lieber auf Vorrat hinlegen, denn im Ernstfall geht es um Stunden und die Krankheit kommt in manchen Regionen extrem häufig vor.

Und die beiden Zusatzmaßnahmen, die wir von anderen, die ihre Hunde durchgekriegt haben (viele sterben trotz der Behandlung, gerade wenn man nicht ab Tag 1 behandeln kann), im Netz erfahren und ab dem 2. bzw. 3. Tag angewandt haben:

  • simple selbst zusammengerührte Elektrolyt-Lösung (1 Liter Wasser, 2 Eßlöffel Zucker, ein Teelöffel Salz, wenn es geht Salinensalz oder Meersalz oder anderes, relativ sauberes Salz, nicht mit Jod oder Fluor „angereichertes“, alles aufkochen, abkühlen lassen). Von allein trinken mags der Hund meist nicht, intravenös wird man selbst nicht realisieren können, also den Kopf leicht schräg hochhalten, mit der Pipette hintern Eckzahn träufeln, dann muß Wauwi schlabbern… ;-) Wir haben tagsüber ungefähr alle zwei Stunden 1-2 Pipetten (10-30 ml, muß nicht viel sein, Hauptsache „ein bißchen“) gegeben.
  • Wärmezufuhr. Hängt natürlich von Wetter und Gegebenheiten ab, aber hier ist grad „Winter“ mit für hiesige Verhältnisse kühlen Temperaturen, also wurde Mox vor einen auf schwache Intensität eingestellten Heizstrahler gelegt, was er auch sichtlich gut fand und oft sein kaputtes Bäuchlein in die Wärme räkelte.

Und natürlich: Zuwendung. Alleine reicht das bei diesem aggressiven Zeug zwar nicht, aber hilft immens. Wir haben so ziemlich alles andere auf Eis gelegt und mindestens einer war immer bei dem kleinen Kerl, wenigstens in der Nähe, oder direkt bei ihm sitzen, streicheln, mit ihm
reden.

Das zweischneidige Thema, das bei so einer Krankheit, für die es m.W. noch keine direkte Therapie gibt (die Antibiotika wirken ja nur auf die bakteriellen Folge-Infektionen), natürlich aufkommt: Impfen?!

Schwer zu sagen. Sinn oder Unsinn und (häufiger Nicht-)Erfolg sowie Nebenwirkungen diverser Impfungen sind ja mittlerweile auch unter Schulmedizinern durchaus Diskussionsthema. Bei vielen Dingen (z.B. Grippe) halte ich Impfungen auch nach wie vor für groben Unsinn, medizinisch fragwürdig und Geschäftemacherei (ich selbst habe nur die wenigen Impfungen, die vor vielen Jahren für eine Geschäftsreise nach Indien verpflichtend waren). Bei wirklich üblen Hämmern dagegen und wenn es nicht „nur“ ums eigene Leben geht, kann man durchaus abwägen, ob eine Impfung nicht doch sinnvoll ist. Im Fall Parvo-Virus neige ich dazu, falls ich noch einmal Junghunde haben sollte, sie impfen zu lassen.

Zwar haben wir bei unseren Recherchen im Netz und in Gesprächen hier vor Ort auch von einigen Fällen gehört, die trotz oder sogar direkt nach der Impfung auftraten – aber gerade, wenn man in einer bekannt „kranken“ Gegend wohnt, scheint sie das Gesamtrisiko immens zu senken (Neerah, die Mutter der beiden, war auch nicht betroffen, sie wurde m.W. als Welpe geimpft, ist allerdings auch schon 4 1/2 und damit aus dem besonders kritischen Alter schon eine Weile raus).

Ein weiteres Argument für eine vorbeugende Impfung: die anfänglichen Symptome sind nicht immer gleich richtig zuzuordnen, der häufigste Übertragungsweg (das allseits beliebte Fressen der Scheiße von Artgenossen…) kaum zu vermeiden. Kotzen tun kleine Hunde immer mal, wenn sie irgendwas Übles gefressen haben, haben sie auch nicht gleich wieder Hunger – also kommt man erst am zweiten oder dritten Tag drauf, was es wirklich ist, und wenn die blutige Scheißerei einsetzt, wird es verdammt eng, selbst wenn man einen fähigen Tierarzt in Reichweite hat.

Deshalb entweder gleich impfen, oder – wenn man Impfungen prinzipiell ablehnt – zumindest die Ohren offenhalten, ob in der Umgebung Fälle der Krankheit auftreten, damit man dann bei den Anfangssymptomen gleich gewarnt ist und frühzeitig reagieren kann.

Ich wünsche denen, die in ähnliche Situationen kommen, daß sie rechtzeitig die richtigen Informationen finden oder schon haben und ihre Wauwis durchbringen… der Krankheitsverlauf ist übrigens je nach Virusstamm etwas unterschiedlich, und im Gegensatz zum oft gehörten „wenn blutiger Dünnschiß, dann stirbt der Hund“ sollte man die Hoffnung noch NICHT aufgeben und einschläfern/erschießen, wenn man die erste blutige stinkende Lache findet. Auch Mox hatte am dritten Tag einmal blutigen Durchfall (der allerdings etwas weniger übel roch), wir haben entschieden weiterzubehandeln, und er ist am Leben!

P.S.: dieser Artikel ist als Erfahrungsbericht/Informationsquelle zu dieser Krankheit gedacht, die verdammt viele (gerade junge) Hunde erwischt. Weniger als Nachruf auf Kiwa, die in Kürze zu anderen Menschen hätte umziehen sollen und nun doch bei uns geblieben ist, oder Hommage an unser Mini-Rudel, das in den letzten Monaten meine Hauptquelle des Lächelns war. Das kommt separat – die Emotionen und zwei kleine unwissenschaftliche Merkwürdigkeiten werden nachgereicht… ;-)

P.P.S.: gerade noch bei meinen eigenen Nach-Recherchen auf einen guten und differenzierten Artikel zum Thema Impfungen bei Tieren gestoßen – von einer ganzheitlich arbeitenden Tierärztin, die weder das unkritische Werbegeschwätz der Pharmakonzerne wiederkäut, noch dem meist aggressiv-profilneurotischen Angstgemache der absoluten Impfgegner und Virenleugner aufsitzt. Interessante Lektüre, und wohl dem Tiergefährten, dessen Menschen in der Nähe einer solchen Tierärztin wohnen! >>> Hier lang zum Artikel <<<

 

3 Antworten auf Parvo-Virus beim Hund – Warnung für Unkundige und kleine Heilungsgeschichte zum Mutmachen

  1. […] Menge, was sich veränderte und eine Menge anstrengendes Zeug (siehe Blogartikel auf Elfenwald hier und hier, dazu einiges, worüber ich nicht öffentlich […]

  2. eve sagt:

    hallo, danke für die mutmachenden Worte. Wir haben das Thema gerade akut mit unserer kleinen Lotti…da ich ein extrem vorsichtiger Mensch bin sind wir am Tag des 1. Erbrechens zum Tierarzt, Durchfall war zu dem Zeitpunkt noch nicht vorhanden. Jetzt ist Tag 3 und wir haben sie vom Tierarzt aus heute in eine Tierklinik gebracht. Jetzt bangen wir natürlich ob sie es schafft oder nicht… aber Deine Geschichte gibt Hoffnung. Wir hoffen das unsere kleine das alles übersteht…vor allem ohne irgendwelche Spätfolgen.
    LG lilith

    • …da wünsche ich Eurer Kleinen, daß es glimpflich und bald vorbei geht! Übles Zeug, das. Mox ist mittlerweile bald 3 Jahre, und bis auf die von seinem Schäferhunde-Papa geerbten dauerentzündeten Ohren fröhlich und gesund. Spätfolgen soll es manchmal geben (durch die aggressiven Antibiotika, v.a. Knochenentwicklung etc. ), aber bei ihm bislang nichts festzustellen. Also Euch alles Gute und baldige Wauzelgenesung!!!

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