Dreiste Titelanleihe bei Andrzej Sapkowski (dessen „Hexer“-Romane mich neulich sehr faszinierten und an vieles Alte erinnerten…), aber er wirds mir verzeihen… ;-)

Ja – Dinge ändern sich und enden oder beginnen, Menschen ändern sich und kommen oder gehen, Ideen und Pläne wandeln sich und werden überflüssig oder faszinierend… und gewöhnlich folgt etwas Neues…

Den Blick - hier ein tiefliegendes Nebelmeer in der Ebene unter uns - werde ich sicher manchmal vermissen.

Den Blick – hier ein tiefliegendes Nebelmeer in der Ebene unter uns – werde ich sicher manchmal vermissen.

Ich habe die letzten zwei Jahre hier in Paraguay auf einem entlegenen Stückchen Land in den Bergen hinter Independencia beinahe das Leben gelebt, wie ich es mir vorstelle. Nicht ganz, weil es hier kein natürlich fließendes Wasser (Quelle, Bach…) gab und v.a. weil recht bald klar wurde, daß es keine langfristige Perspektive mit den Besitzern des Landes gab und sich daher meine Motivation, dauerhafte Veränderungen (aufwendigere Hütte, Teiche graben, etc… ) zu schaffen, sehr in Grenzen hielt. Als Pächter mit wackeligem Bleiberecht kaspert man sich da nicht so wirklich einen ab – besonders wenn absehbar ist, daß aus dem Land eh wieder irgendwann eine Viehweide wird und nicht etwa ein Feen- oder Elfenwäldchen…

Aber ansonsten kam das schon ganz gut hin – war eine lustige Zeit, ich habe fast „draußen“ gelebt, viel ausprobiert und gelernt, Bäumchen gepflanzt, mit meinen Tieren und allerlei Pflanzen mich amüsiert, hatte trotz der Abgeschiedenheit Strom (350m 2,5mm² Kabel übern Berg gezogen – der TÜV ist weit… ;-) ), Internet funktionierte halbwegs (Wimax Antenne, am Baum festgezurrt… ;-) ), ich konnte meinen Kaffee morgens an meinem kleinen Kochfeuer draußen trinken, und weil – abgesehen von einer lieben Gefährtin, die ich in meiner Nähe ertrage ;-) – der nächste Nachbar 300 Meter weg war und ringsum fast nur Zuckerrohr und Buschwald, konnte man nackt rumrennen wie man wollte und hatte mit dem Menschenvolk meist nur selten und auf Wunsch zu schaffen.

Nun, wir ziehen gerade um – in die zwei Gästehütten eines Freundes am Rande der Kolonie. Sehr kleines Grundstück, recht offen, nächster Nachbar in Sicht- und Hörweite. Wenig Privatsphäre, relativ normale Hüttchen mit Elektro-Dusche und WC, kein Kompostklo in der Sonne (oder im Regen…) mehr, keine am Baum festgebundene Draußen-Dusche. Kontrastprogramm.

Aber es paßt zur aktuellen Entwicklung – denn die lautet bei mir: noch mal ein paar Monate fokussieren, über ein paar Dinge klarwerden, ein paar Webseiten/Bücher fertigstellen und sehen, was die Welt (auch pekuniär) dazu meint. Parallel meinen etwas faul gewordenen Körper munter machen (entwickele mich gerade zu einem regelrechten Calisthenics Fan ;-) ). Und entscheiden, wie es weitergehen soll für mich.

Dafür sind bessere Infrastruktur, kürzere und besser befahrbare Wege zum Einkaufen, seltenere Stromausfälle und insgesamt eine Lebenssituation, wo man von Wetterlaunen und den bisherigen zwar netten, aber sehr zeitintensiven Aktivitäten von Holzsammeln bis 150m-Weg-durchs-Zuckerrohr-Freihacken unabhängiger ist, sehr nützlich.

Drei Varianten gibt es mittelfristig:

1. irgendwo hier in Paraguay noch mal einen Flecken Land finden, auf dem ich dauerhaft und unabhängig von den Plänen und Launen anderer mich verkrümeln kann und weltfern noch so lange mit Tieren, Pflanzen und Computern spielen kann, wie es mir gut tut.

2. Weiterziehen in ein englischsprachiges Land (mit der putzigen Spanisch-Guarani-Mixtur hier kommt mein Kopf nicht klar, was teils mit meinem ungeheuren Interesse an Menschen/Kommunikation zu tun hat, teil mit meiner generellen Fremdsprachen-Nicht-Begabung… ;-) ), mit besserer Infrastruktur und einer bunteren, wenigstens teilweise bewußteren und entwickelteren Gesellschaft – Belize oder vermutlich USA, trotz oder gerade wegen der Tatsache, daß letztere einerseits das wohl bekloppteste Land der Welt sind, andererseits immer noch nicht die Enge (in jeder Hinsicht) Europas haben und sich gesellschaftlich immer noch eine gewisse Buntheit bewahrt haben. Außerdem kommen praktisch alle Technologien, Selbstentwicklungstechniken, etc.pp. die mich noch interessieren, von dort. Sollte es mich also noch mal nach mehr Anregungen und intensiverem Mit-/Er-/Überhaupt-Leben gelüsten, werde ich eine ganze Weile dort herumreisen und mir in Ruhe einen neuen Ort suchen. Dafür muß ich mich allerdings noch mal gründlich ins Geldverdienen und allerlei Bürokratenmist reinhängen – weiß noch nicht, ob es mir das wert ist.

3. Variante Drei mag manchen befremdlich oder gar erschröcklich scheinen, ist für mich aber schon seit vielen Jahren eine völlig selbstverständliche Option: etwas früher den Resetknopf (AKA „Freitod“) drücken und mich aus dieser komischen Simulation verabschieden. Paralleluniversen und oder ein ganz neu erträumtes, auf besseren Grundparametern beruhendes Universum warten… Für mich muß die für mich abfallende Menge an Amüsement und Entwicklungs-/Lerneffekt in Relation zum Aufwand/Ärger/Papierkrieg stehen, wird die Müdigkeit gegenüber dem Unsinn größer als die Freude über die kleinen Niedlichkeiten, die es ja in dieser vermurksten Welt immer noch reichlich gibt, dann geht man eben. Ich habe meine Hauptlernpunkte, die ich mir für diese Inkarnation vorgenommen hatte, durch (der oberste war das Verlernen von Eifersucht/Besitzdenken in der Liebe), plane keine weiteren Inkarnationen auf diesem mehrheitlich in eine mir nicht gemäße Richtung steuernden Planeten – also was soll’s.

Was es davon wird, wird sich zeigen – ich halte Euch in jedem Fall hier auf dem Laufenden ;-)

Als nächstes werde ich hier noch einmal etwas ausführlicher öffentlich darüber nachdenken, warum meine Sicht auf Paraguay sich doch etwas verändert hat im Laufe der gut 4 Jahre, die ich nun hier bin, und warum ich – außer evt. für die Eremit-im-Gebüsch-Variante – nicht mehr den Rest meiner Tage hier verbringen möchte… Stay tuned.

Ach so: passend zur (vorrangig geplanten) USA-Weiterwanderung habe ich meine Facebook-Aktivitäten etwas ausgebaut bzw. bin dabei, größtenteils in nicht ganz lupenreinem Englisch. Wer in Kontakt sein möchte und öfter mal kleine Updates, Bilder etc. sehen will – möge sich dort mit mir vernetzen (Link aktualisiert – passend zum „Re-Branding“ ist mein Facebookname nicht mehr Elfenwald, sondern Martin the Wanderer).

Mitte/Ende Juni wird meine Erreichbarkeit übrigens nicht nur von meinen Launen abhängig sein, sondern auch davon, wie schnell wir nach dem Umzug unsere Internet-Antenne an einen neuen Baum geschraubt bekommen… ;-)

 

2 Antworten auf „Etwas endet, etwas beginnt“

  1. […] sich veränderte und eine Menge anstrengendes Zeug (siehe Blogartikel auf Elfenwald hier und hier, dazu einiges, worüber ich nicht öffentlich […]

  2. Merlin sagt:

    Moin,
    ja kriege ich die Motten oder die Pest. Bin dem Tode Ende August gerade nochmal von der Schippe gesprungen und das kostet – bei mir 37 Kilo. Erinnert mich irgendwie an deinen Hund. 14 Tage Intensivstation und dann Reha und so langsam kapiert die Bürokratie, dass auch Ärzte irren können. Ich quatsche immer von V4a Stahl und die wissen nicht einmal was Biodynamtik ist oder aber Schwefelionenverlagerung. „Das gibt es bei Titan nicht“ – dumm nur wenn es V4a Stahl ist. Nun wissens alle, ich bin am Leben, meine Gefährtin hatte wieder dieses aschgraue Gesicht, mit grün/gelblicher Einfärbung und lacht heute auch wieder.
    Meine Mutter wabert im Tal des Vergessens und erkennt „noch“ ihren Sohn und sie will immer Autofahren. Das bringt, brachte ein Wohnmobil ins Haus mit dem Namen Lukas. Emma, die grosse alte Dame des Highspeed hat sich bei einem afghanischen Heldenfahrer in Reute Tirol ins Nirvana begeben. Ich stand, er fuhr – so geht das nicht – denn ich war ja vor ihm. Die heutige Emma ist eine Leuchte des Understandments, mit V8 und völlig harmlosen Aussehen, aber massiv Dampf auf dem Kessel. Die Herren der Oberklasse – hui, bin ich ja auch – ärgern sich zu Tode wenn ich an ihnen lächelnd vorbeiziehe. Sicher ich mag es noch immer, aber so langsam werde auch ich weiser. Apropo Weisheit, der grosse Filou hat seine letzte Reise vor einem halben Jahr angetreten. Er starb in den Armen der Person, die er vergötterte und nun düst er am Firmament auf der grossen Wiese rum. Madame Ming hat lange um ihren Gefährten getrauert. Nun aber nimmt sie seine Plätze ein und macht Krawall für zwei. Hupp – Hupp – Mäcker.
    Ha und du willst, bist jetzt in einem normalen Haus? Jaja, am Ende sind die eigenen Knochen wichtiger als junge Mösen.
    Für mich ist die südliche Halbkugel nix, auf keinen Fall. Immer diese Scheiss-Sonne und kaum Autobahnen, nene, ich bin die letzte Bastion gegen die „Borg“. Bei uns sind sie derzeit voll am Durchdrehen nach den Geschehnissen in Paris. Ulkig, nicht wahr, zuerst werfen wir Bomben und nachher schiessen die mit Kalanischkows zurück. Oder war es umgekehrt und war es gestern oder vor 4000 Jahren? Egal, scheissegal – multinational und wieder sind die Beknackten da.

    Bis hierher erstmal, trolle dich mal an die Tastatur und knödel was zurück.

    Shalom

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