Einige werden es nach dem Neuseeland-Werbeartikel vor ein paar Tagen schon geargwöhnt haben: entgegen anderslautender Berichte gibt es mich noch ;-)

Ja, ok – es wird Zeit.

Seit vielen Monaten hat man nichts mehr von mir gehört. Nicht nur hier auf den Webseiten, auch etliche (teils sehr liebe und interessante) Mails und Anfragen bzgl. Elfenwald blieben unbeantwortet (werden sie auch bleiben, s.u.), und selbst liebe alte Freunde und Freundinnen halten mich vermutlich zwischenzeitlich für frühzeitig verschieden und/oder einen ziemlichen Arsch. ;-)

Weil ich mich einfach nicht „melde“.

Dabei geht es mir gut. Ziemlich sogar.

Ich lebe, mit einem mir erträglichen Maß an lieber Gesellschaft von wenigen Menschen und zahlreicheren Tieren, ein sehr zurückgezogenes Leben auf einem kleinen gepachteten Stück Land in den Bergen.

Neerah und das Stachelschwein

Eines der vielen kleinen Abenteuer hier: Hündin Neerah begegnet einem verwaisten Mini-Stachelschwein

Ich habe zu essen, Strom (wenn er nicht gerade wieder ausgefallen ist), an einem Baum ist eine Wimax-Antenne festgezurrt und liefert relativ stabile 1.5 MBit Internet in meine Klause, eine ulkige selbstgebaute Hütte (eher Favela-Stil, ist ja nur ein Provisorium hier, aber ich mag das) nebst Eigenbau-Öfchen für die kühlere Zeit gibt mir Schutz, Dusche am Baum für die gelegentliche Körperhygiene, gutes Trinkwasser, so gut wie keine Nachbarn (die Kühe juckts nich, wenn ich alter Nudist nackt rumrenne), und die wenigen paraguayischen und deutschen Nachbarn ein Stück weiter weg sind in Ordnung, meine alten Internet-Seiten ernähren mich mehr oder weniger reichlich, aber regelmäßig und mit wenig „Arbeit“, unterm Orangenbaum steht ein Kühlschrank, und vor ein paar Monaten war sogar mal ein neues Notebook drin (im Budget, nicht im Kühlschrank ;-) ), was meine Leidenschaft für Computerspiele wieder beflügelt hat. ;-) (im Technikblog dazu bald ein längerer Skyrim-Artikel) ;

Alles gut.

Demnächst kommt ein alter Freund von mir nach Paraguay, wir werden zu dritt irgendwo eigenes Land haben – jeder wird dort auf seine Weise seine Ideen von einem Leben in und mit der Natur, mit mehr oder weniger Technik und Architektur um sich rum, mit mehr oder weniger „Einfachheit“, umsetzen und leben.

Wird also alles NOCH besser.

Warum also hört man nix von mir, und warum hagelt es hier nicht tolle Artikel, Bilder, Videos im Blog?

Viele Gründe.

Ich werfe Euch mal ein paar Stichworte hin, die Liste ist aber bewußt nur kurz an-erklärt und bei weitem nicht vollständig.

Trägheit. Meine Fresse, dies ist Paraguay. Und auch wenn internationale Ausbeuter, hektische und meist geldgeile Deutsche, und ein paar fortschrittsgläubige Paraguayer das Land zunehmend in eine „ordentliche“ produktive Massenmenschhaltung zu verwandeln suchen – das dauert glücklicherweise noch etliche Jahre… :) Das Klima, das durchaus auf seine Weise arbeitsame, aber gerne und viel Terere-trinkende Umfeld – die ganze Energie des Landes hier – macht auf gemütliche Weise faul und träge im Kopf. Ich lasse das gerne zu. Und da braucht es schon mal ein halbes Jahr Energie-Sammeln für eine eMail ;-)

(Angenehme) Resignation. Die Menschheit steht kurz vor einem Bewußtseinssprung? *gacker* – Ja, Dinge entwickeln sich, Menschen entwickeln sich. Aber es gibt keine vorgegebene Richtung, kein „richtig“ und „falsch“, und mehrheitlich wollen die Seelchen hier auf diesem durchgeknallten Sandkasten-Planeten offensichtlich und immer noch Spiele spielen, die ich doof finde. Dürfen sie aber, und ist nicht mein Job, sie davon abzuhalten oder abzubringen. Das OpenSource-Projekt „Erde“ geht in Richtungen, die mir persönlich Gähnen und Unwillen verursachen. Na und? Wenn Firefox ein überfrachteter Müllhaufen wird, nutze ich halt Chrome oder Safari als Webbrowser. Wenn sie auf der Erde mehrheitlich weiterspinnen wollen – is gut, dann spiele ich hier noch so lange mit und amüsiere mich mit den netteren Aspekten des Sandkastens, wie es mir gut tut, und künftige Inkarnationen werden eher auf einem etwas reiferen, leiseren, liebevolleren und sanfteren Planeten (wirds ja wohl geben irgendwo in diesem lustigen Multiversum…) stattfinden. Jedenfalls meide ich Berührungen mit dem Erdenzirkus nach Kräften.

Kommunikationsunlust. Mich strengt Kommunikation (mit Menschen) fast immer an – gibt ganz wenige Ausnahmen, wo es für mich stimmig und „leicht“ ist, und das auch nicht immer. Und seit ich hier lebe, verstärkt sich das immer mehr, denn die meisten Menschen, mit denen ich noch in Kontakt stand und/oder innerlich verbunden bin, leben nun einmal in einer Welt, die für mich immer weiter weg, immer absurder, immer un-erträglicher geworden ist. Und in jeder Mail, in jedem Skype-Chat schwappen diese Energien, das Leid, das Hamsterrad, die Unbewußtheit oder das bewußte „Kämpfen“, der Frust, die Angst – all das schwappt hier rüber. Und was soll ich damit? Ich hatte Gründe, zu gehen, und ich habe es getan. Wer nicht gegangen ist – ist eben nicht gegangen, und ist nicht hier. Und auch wenn in Facebook-Zeiten natürlich die technische Kommunikationsebene da ist – die Welten sind genau so weit voneinander entfernt, wie in alten Zeiten, wo man von Amerika-Auswanderern auch meist nie wieder was hörte, oder vielleicht nach ein paar Jahren mal ein unbeholfener Brief kam, der einen Teil des neuen Lebens zu vermitteln versuchte…

Ausgefülltes Alltagsleben. Ich kenne das schon von meinen Wanderungen früher oder meiner Fahrrad-„Landstreicher-Reise“: die Dinge des täglichen Lebens, die ganz einfachen, nehmen wieder einen größeren Platz ein im Leben, was zu einem froheren, naturgemäßeren Vor-Sich-Hinleben sehr beiträgt. Holz sammeln fürs Feuer, richtig am Feuer oder auf dem Ofen kochen, eine Wasserleitung reparieren oder das Wasserfaß reinigen, Hühner füttern und den ulkigen Gesellen zusehen, mit Hund und Kater spielen, einen zugewachsenen Pfad im Zuckerrohr mal wieder freihacken, 1,5 km zum nächsten kleinen Tante-Emma-Laden latschen um etwas einzukaufen, oder die Hütte sturmfest machen und sämtliche Stecker ziehen, weil eine Gewitterfront angesagt ist – und schwupp is der Tag rum. Und die Woche. Und der Monat. Auf gute Weise.

Und kein Grund, keinerlei Bedürfnis, sich irgendwie mit dieser merkwürdigen Welt hinter den sieben Bürokratie-Bergen bei den sieben Konsumzwergen auseinanderzusetzen oder mir ihr und ihrer komischen „Energie“ in Kontakt zu treten.

Wie wird es weitergehen? Und wie ist der Stand des „Elfenwald-Projektes“?

Das Elfenwald-Projekt gibt es in dem Sinne nicht mehr. Schon eine Weile nicht, und nun auch „offiziell“. Und das ist auch gut so.

Kürzlich habe ich eine hypnotische Phantasiereise gemacht in ein Paralleluniversum, wo alles so funktioniert hat wie ich mir das vor ein paar Jahren zurechtgelegt hatte. Mir haben sich die Zehennägel aufgerollt. ;-)

Ich habe mich verändert, mein Weg und meine Schwerpunkte sind noch klarer geworden, und ich habe absolut keine Lust, mich mit Gemeinschafts-Spielchen und „menschlichen“ Eigenheiten, die wir fast alle nun einmal haben und auch noch ein paar Jahrtausende haben werden, zu belasten. Mir einfach zu anstrengend – und ich sehe keinen Grund dafür, zumal sich auch meine letzten Zwangsvorstellungen, ich müsse etwas „für“ diese Welt oder „die Menschheit“ tun, gelöst haben.

PR und Aufmerksamkeit oder Informationen, wo und wie ich denn nun genau lebe – nö danke. Neulich auch eine Anfrage von „Goodbye Deutschland“, die bei uns bissl Aussteiger-Reality-Show drehen wollten, höflich dankend abgelehnt – deutsches Fremdschäm-Fernsehen, häh?? – völlig absurde Vorstellung. Irgendwelche kommerzgeilen Pseudo-Communities werden schon drauf einsteigen… ;-)

Ja, auch Mit-Macher wünsche ich mir keine mehr, allenfalls noch 1-2 bewußte, kluge, freie, natürliche und lustvolle Frauen dürfen ihren Weg zu mir finden. ;-)

Ansonsten können sich gerne Menschen, die ein bißchen ähnlich ticken, in Paraguay und/oder unserer Nähe ansiedeln, aber das wäre dann eher ein freundliches Nebeneinander mit gelegentlichem Austausch, kein Miteinander, keine „Gemeinschaft“.

Was ich hier mit den Seiten mache, werde ich in den nächsten Wochen entscheiden. Ich werde wieder mehr schreiben, weil ich gerade Lust dazu habe – hauptsächlich praktische Dinge, Tera Preta, Kompostklo, Hühnerhaltung, solche Dinge. Die alten Ideen lasse ich wohl drin, aus historischen Gründen und als Inspirationsquelle für andere, deren Entwicklung vielleicht eher in die von mir ursprünglich angedachte Richtung geht.

Mal sehen. Morgen ist auch noch ein Tag, meistens… ;-)

Mañana.

Was auch in ein paar Wochen heißen kann, oder nächstes Jahr…
Wir sind schließlich in Paraguay. ;-)

 

2 Antworten auf Er lebt ja doch noch ;-)

  1. Franz sagt:

    Lieber Martin,

    schööööön von Dir zu hören! Vor allem schön zu hören, daß es Dir gut geht!!! War schon ein bischen ruhig hier auf der Site ;-) Aber wenigstens wurde Deine Cam mal upgedated. So, so, dann tauchst Du jetzt wohl entgültig ab. Kann Dich gut verstehen und wünsche Dir für die Zukunft von Herzen alles Gute.

    Liebe Grüße und fühle Dich fest gedrückt!
    Franz

    • Hey Franz, Du treue Seele :)
      Lustig – die einen (zumindest im „real life“) am wenigsten kennen, verstehen einen manchmal am besten ;-)

      Ganz abtauchen werde ich nicht, viel zu exhibitionistisch, LOL.
      Ich werde nur, um mich von dem „Umsetzungsdruck“ und dummen Fragen endgültig zu befreien, ein kleines Re-Branding vornehmen: „Elfenwald Ecovillage Project“ wird zu „Elfenwald Anderleben“. Und davon werde ich schon immer mal wieder erzählen, halt nur, wenn mir danach ist.

      Übrigens habe ich meinen >>Flickr-Account< < wiederbelebt und werde dort neben gelegentlichen Paraguay-Bildern die Ergebnisse meiner neuesten Obsession teilen: mehr oder weniger kunstvolle Spiele-Screenshots und Bildergeschichten, meist aus Skyrim. ;-)
      Hab ganz lieben Dank für Deine guten Wünsche – und laß es Dir gutgehen in Muc!

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