Zynismus

Ich liebe die großen Verachtenden, weil sie die großen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem andern Ufer.

Nietzsche

Es bleibt einem oft nichts anderes. Betrachtet man den Zustand der Welt, betrachtet man die Minderheit, die den Zustand der Welt zu erkennen imstande ist, betrachtet man dann ihr Verhalten, ihren Eskapismus, ihre Zersplitterungen und ihre Fluchten in Tröstungsphilosphien – dann wird man zynisch.

Oder kommt zumindest in Versuchung.

Ist das schlimm? “Zynismus” ist ein oft mißbrauchtes und meist mißverstandenes Wort. Gehen wir gar nicht zurück zu seinem Ursprung, den “Cynikern”. Betrachten wir einfach nur die Psyche eines überdurchschnittlichen sog. Zynikers.

Dann stellen wir fest, daß er eben gerade nicht der abgewichste, überhebliche Hund ist, der alles außer sich selbst abgeschrieben hat und sich nur noch in selbstverliebtem “Zynismus” ergeht. Gewöhnlich steht dahinter jemand, der sehr tief und wild leidet – weil er einfach nur zu viel sieht und versteht.

Und das Verachten der großen Verachtenden, darin hatte der alte Schnauzbart recht, wie in so vielem – ach, dieses Verachten ist doch gar keines, sie sind in Wahrheit nur die tiefsten Liebenden.

Nur stehenbleiben sollte man dabei nicht, nicht sich häuslich einrichten in zynischer Nabelschau, die aufgegeben hat und sich nur unwesentlich von einer 3-Liter-Flasche “Pennerglück” unterscheidet.

Der Zyniker hat die Macht seiner Wut und die Schärfe seines Geistes. Er hat die Verachtung des Existierenden und die Liebe zum Noch-Nicht. Das ist ein Anfang. Und ein Teil des Weges.

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