Permakultur? Bei den meisten Menschen kommt da dieser verräterische Gesichtsausdruck. „Ich hab zwar keine Ahnung, wovon Du redest, aber ich guck mal verständig.“ Manche gucken auch entsetzt, weil durch ihre schmutzige Phantasie oder mein Nuscheln da ein „Sp“ vorneweggehört wurde.
Bei anderen – nämlich den meisten Spirituellen, “Erwachten”, Alternativen, Ökodörflern und Bio-Bauern und Gärtnern, ist Permakultur schon Allgemeingut. Zumindest das Wort.
Verstanden wird darunter teilweise sehr Unterschiedliches, und für viele ist es auch nur ein Schlagwort, ähnlich wie „Selbstversorgung“, mit dessen praktischer Umsetzung sie noch nicht einmal experimentiert haben.
Wer grundlegende Infos haben möchte, lese bei Wikipedia und auf den einschlägigen, leicht zu findenden Permakultur-Seiten nach. Es gibt auch einige gute Bücher, u.a. von Sepp Holzer oder Patrick Whitefield.
Hier mehr die Interpretation von Permakultur, mit der ich bereits während des „Vorprojekts“ im Himmelreich herumexperimentiert habe, und die dann in größerem Stil auf dem kleinen Einstiegsgelände in Paraguay und später auf dem „richtigen“ Elfenwald-Gelände umgesetzt werden soll.
Die Grundidee der Permakultur ist eigentlich simpel: Ziel ist, die Natur zu beobachten, ihre Mechanismen zu kopieren und wieder freizusetzen, und mit behutsamem Eingreifen und speziellen, aufeinander abgestimmten Pflanzenarten ein Gleichgewicht zu schaffen, in dem Pflanzen in einer Art gestalteten „eßbaren Wildnis“ vor sich hinwachsen, der Mensch möglichst wenig eingreift, und genug da ist, um immer mal was abzuzupfen und zu essen. Und zwar reichlich.
Das funktioniert auch.
Allerdings sind zwei massive Mißverständnisse unterwegs, auf die man spätestens dann stößt, wenn man sich ganz praktisch und Spaten/Sichel in der Hand daran macht, Permakultur im eigenen Garten umzusetzen.
Viele Beschreibungen von Permakultur-Ansätzen stammen von Menschen, die damit buchstäblich seit Jahrzehnten experimentieren und arbeiten, und oft sogar schon davor Erfahrung im klassischen Gartenbau, im biologisch-dynamischen Landbau etc. hatten. Und wohl oft ein wenig vergessen haben, wie es am Anfang war. Und das Gärtnern so in ihr Leben integriert haben (was ja nicht schlecht ist), daß sie es schon nicht mehr als „Tun“ wahrnehmen. Nur so lassen sich einige Begriffe im Zusammenhang mit Permakultur, wie etwa der der „Nichts-Tun-Landwirtschaft“, erklären. Denn mit Nichtstun wird das gar nix, jedenfalls nicht in den ersten Jahren, und auch später muß man selbstverständlich weiterhin tätig sein – wenn auch deutlich weniger als im „normalen“ Gartenbau.
Das zweite Mißverständnis ist, daß Permakultur einfach und überall anwendbar sei und immer den gleichen Prinzipien folge. Also etwas, was man einmal „lernen“ kann und dann überall einsetzen.
Ja, es gibt einige simple Grundregeln, die kann man sehr schnell begreifen und die lassen sich auch fast überall sofort umsetzen, selbst in Balkonien. Wer ein paar dicke Steine zwischen seine Erdbeerpflanzen (oder andere) rollt, der wird feststellen, daß er weniger gießen muß, und die Beeren besser gedeihen und schmecken.
Auch ein paar Grundzüge, welche Pflanzen mit welchen anderen sich gut vertragen und ergänzen (also z.B. stark bodenauslaugende Stickstoffzehrer mit Pflanzen kombinieren, die Stickstoff im Boden anreichern, oder solche, die bestimmte Schädlinge voneinander fernhalten) – sind schnell zu erlernen und anzuwenden. Aber das gibts im „normalen“ Gartenbau auch.
Man kann auch sofort anfangen, hier und da „Nutz-“ und „Wild“pflanzen zu mischen, also z.B. nicht ein „ordentliches“ deutsches Kräuterbeet mit zehn geklonten Dill-Pflanzen zu haben, sondern hier und da, im Blumenbeet und hinter der Hecke, kräftig Dill hinzusäen, wo man dann immer mal was abernten kann, und wo sich das Zeug immer wieder selbst aussät.
Das eigentlich Spannende an der Permakultur aber sind Dinge, die Zeit brauchen, viel Aufmerksamkeit und Neugier und Lernbereitschaft, viel Respekt und Liebe für Pflanze und Tier, und auch einiges an Tun.
Das fängt bei der Landschaftsgestaltung an. Besonders gute Ergebnisse hat man, wenn man in unseren plattgewalzten „Kulturlandschaften“ wieder ein wenig Struktur zuläßt – bzw. anlegt. Wälle aufwirft und Hügelbeete, windgeschützte Mulden und nasse Kuhlen oder gleich Teiche, ein paar fette Felsen dazwischen, eine Kräuterspirale, etc.pp. Das geht nur, wenn man Geduld, Kraft und Lust auf körperliche Arbeit hat. Oder unter Einsatz von höchst unspirituellem schweren Gerät.
Dann kommt das nächste Thema: Zeit. In einem kleinen Garten, wo man recht schnell von überzüchteten einjährigen Sorten auf robuste halbwilde umstellen kann, die mehrjährig sind, und wo die meisten Pflanzen innerhalb einer Vegetationsperiode „ausgewachsen“ sind, geht das noch. Wobei man selbst da meist mehrere Jahre braucht, bis die Pflanzenfamilien optimal aufeinander abgestimmt sind, man die hohe Kunst des Mulchens (z.B. „Unkraut“ etc. nicht zentral auf dem Kompost verwalten, sondern immer schön überall den Boden bedeckt halten mit Grünschnitt) wirklich drauf hat, und dergleichen mehr.
Und „eßbare Wildnis“ findet vor allem außerhalb des „Gartens“ statt, wobei die natürlichen „Stockwerke“ eines frei gewachsenen Waldes genutzt oder „nachgestellt“ werden. Und Bäume brauchen, selbst in warmen Ländern, halt ein paar Jahre, bis sie eine ordentliche Größe erreicht haben, und, sofern es sich um Obstbäume handelt, fruchten. Auch bei Sträuchern und kleinen Bäumen braucht es Geduld, und je größer die Fläche ist, auf der man dem natürlichen Gleichgewicht nahrhafte und leckere Pflänzlein beimischen möchte, ohne daß es „kippt“ und wieder massiven Einsatz von Arbeit und/oder Gift erfordert, desto mehr muß man experimentieren, desto genauer beobachten.
Dazu kommen klimatische Unterschiede, der jeweils oft unterschiedliche Boden und regionale Pflanzensorten sowie Tiere bzw. „Schädlinge“. Wenn ich in Paraguay den ersten Garten anlege, wird das garantiert ein paar Unterschiede geben zu dem, was ich hier im Himmelreich gerade langsam im Griff bzw. verstanden hatte…
Nicht daß wir uns falsch verstehen: ich halte die Ansätze aus dem Permakulturbereich für absolut unverzichtbar und das beste, was einem Gärtner und Kleinbauern über den Weg laufen kann. Selbst in der etwas größer dimensionierten und auf den Verkauf ausgerichteten Landwirtschaft ist Permakultur machbar und ein Segen für Mensch und Natur. Und sie macht Freude, weil man nicht überzüchtete Pflanzenarmeen unter Folie ausbrütet, sondern einer fast frei wuchernden bunten Vielfalt zusehen (und an ihrer Fülle naschen) darf.
Nur sollte man nicht aus der Souveränität der Altmeister und reißerischen Publikationen auf die Leichtigkeit des Tuns schließen und mit falschen Erwartungen an die Sache herangehen – sonst ist spätestens, wenn im zweiten Jahr „immer noch nicht“ alles so funktioniert wie gewünscht, und man “immer noch arbeiten“ muß, der Frust groß, und man läßt’s wieder bleiben.
Im Elfenwald werden wir das gelassen angehen, wie die meisten Dinge. Es steht nicht auf unserem Plan, mit Hochdruck und Fanatismus nach zwei Jahren „Selbstversorger“ zu sein. Es steht dagegen sehr wohl auf dem Plan, jedes Jahr ein wenig mehr mit Pflanzen zu spielen und zu reden, dort ein Hügelbeet anzulegen und da einen Teich, dort ein paar Avocadosträucher selbst aus Samen zu ziehen, da Kräuter zwischen das China-Schilf zu säen. Und der spielerische, liebevolle Umgang mit dem Grünzeug und den sonstigen Wesen des Gartens und des Waldes zeigt oft sehr schnell Wirkung – das habe ich hier im Himmelreich bereits im ersten Jahr beobachten können. Neue Gleichgewichte bilden sich, es wird bunter und vielfältiger, andere (und mehr) Tiere und Vögel tauchen auf, und unauffällig steigt der Prozentsatz der Nahrung, den man ganz beiläufig beim Herumspazieren auf dem Grundstück so „einsammelt“ oder auch gleich beim Herumwandern gedankenverloren in sich hineinmümmelt. ;-)
Nette Erfahrung, werden wir spielerisch ausbauen.
Und im Praxis-Lexikon wird es einen wachsenden „Garten“-Bereich mit unseren Erfahrungen und Pflanzenportraits und allerlei permakulturellen Lebensräumen geben… ;-)











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