Nationalhymne

Gibt es eine „Nation“, der man „Hymnen“ singen könnte, sollte, wollte? Für mich eine absurde Vorstellung.

Zu Hymnen wurde allzuoft marschiert und strammgestanden, gemordet und gestorben, zu oft hat man sich an Fahnen und Hymnen hochgezogen und beduselt, wo es besser gewesen wäre, Staat nebst Nation und Herrschenden in die Tonne zu kloppen.

Für mich ist das Zeitalter der „Nationalstaaten“ vorbei. Auch wenn es vermutlich noch ein- bis zweihundert Jahre dauern wird, bis das im Bewußtsein der Mehrheit und in der Alltagsrealität ankommt.

Aber solange die Leithammel dieser Welt noch die Kasperlstückchen vom Staat und vom Nationalismus vor sich hin kaspern – solange kaspern wir ein wenig mit.

Als Hymne für die Mikronation „Elfenwald“ schlage ich „El Cant des Ocells“ vor, den „Gesang der Vögel“. Es ist ein altes katalanisches Volkslied. Mit pfäffischer Vergangenheit (es ist ein Weihnachtslied), aber längst davon losgelöst. Bekannt wurde es vor allem durch Pau Casals, den großen Cellisten – und einer der wenigen Menschen, die man meiner Meinung nach ruhig verklären darf… ;-)

Im Exil während der Franco-Diktatur machte es sich Casals zur Gewohnheit, fast jedes seiner Konzerte mit dieser Melodie zu eröffnen oder zu beenden.

Es ist eine wunderbare Melodie, und sie ruft nach hause. Wo auch immer dieses Zuhause sein mag…

Nein, kein allzugroßes Pathos. Marschieren kann man dazu auch nicht. Sterben allenfalls in leicht melancholischer Schönheit. So gehört sich das. Doch was brabbele ich. Hört, wenn Ihr Ohren habt zu hören…

Die von Casals komponierte Orchesterfassung (bitte alle aufstehen, Hut ab, Hand aufs Herz, wichtig gucken…):

El Cant des Aucells

und hier könnt Ihr Casals bei der Hausmusik lauschen:

P.S.: wer dieses Stück als „traurig“ empfindet, hat den Einbürgerungstest nicht bestanden.

P.P.S.: die (von Albert E. Kahn niedergeschriebene) Autobiographie des Ausnahmemenschen Casals ist mehr als lesenswert. Als zeitgeschichtliches Dokument, vor allem aber als kleine Illustration, was Menschsein sein kann. Auch wenn das legendäre scherenschnittähnliche Titelbild, das Casals mit Pfeife zeigte, mittlerweile einem politisch korrekten Nichtraucherbild (s.u.) weichen mußte.

Pablo Casals: Licht und Schatten auf einem langen Weg.

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