Energieversorgung

Strom kommt aus der Steckdose. Ist doch ganz einfach…

Oder nicht?

Nein. Die Dinge sind selten so einfach, wie es sich die Nicht-Denker wünschen.

Strom

Elfenwald ist kein Steinzeit-Revival-Projekt. Wir legen das ab, was an “Zivilisation” und “Technik” vorwiegend schädlich und idiotisch ist. Wir werden an radikal anderen Ansätzen arbeiten und forschen. Aber warum sollten wir bereits halbwegs funktionierende Dinge nicht nutzen, die mehr nutzen als schaden, zumindest nach unserem gegenwärtigen Kenntnisstand und Gefühl?

Also wird es im Elfenwald z.B. ein paar Notebooks geben. Irgendwie, je nach Standort via Kabel oder Satellit, werden wir ans Internet angeschlossen sein. Ein paar kleine Pumpen halten unsere Wasseraufbereitung in Bewegung (ähm, eigentlich eher das Wasser in selbiger). Wir werden auch nicht ausschließlich Kerzen verwenden wollen. Also muß, bis grundlegend Anderes erfunden wurde, Strom her.

Ich fände es allerdings indiskutabel, sich einfach ans normale Stromnetz zu hängen. Aus mehreren Gründen:

  • die Politik der Energiekonzerne ist zum Kotzen
  • man macht sich abhängig
  • die üblichen Arten der Energieerzeugung sind pfuih. Und auch wer “Öko-Strom” bestellt, bekommt AKW-Strom mitgeliefert…
  • wer am Stromnetz hängt, vergißt sehr schnell, daß dieser Strom irgendwo herkommt – und verbraucht dementsprechend hirnlos.
  • die Nebenwirkungen von 220V Wechselstrom mißfallen mir

Also: selber produzieren. Aber wie?

Ich stehe dem Thema “Freie Energie” zwar sehr neugierig gegenüber, aber bislang hat mich noch niemand überzeugen können. Denn, ganz banal: noch habe ich kein entsprechendes Gerät gesehen, an dem ich ganz konkret meinen Laptop aufladen könnte, Raumenergie hin oder her. Mystische Andeutungen (eine kleine versteckte Hütte in Neuseeland… JvH läßt grüßen…), religiöse Geheimniskrämerei (”Testatica”), der seit Jahren versprochene “Wassermotor” des Herrn Dingel, das Herumgeeiere von Steorn bezüglich „Orbo“ – ich sehe da leider bislang nur Gefasel. Eine konkrete Demonstration eines funktionierenden Prototypen könnte das innerhalb von 10 Minuten ändern, aber da die “Erleuchteten” sich ungern unter die Fingernägel schauen lassen, hat sich so etwas bislang nicht ergeben. Ich behalte die Szene im Auge, aber bis auf Weiteres plane ich sehr konservativ mit dem, was verfügbar ist.

Der Ansatz ist dabei sehr einfach: nur produzieren, was wirklich gebraucht wird, und lieber zusehen, daß man viele Dinge, die unnütz Strom fressen, nicht mehr braucht.

Der konkrete Mix wird sehr stark vom Standort bestimmt werden – aber das, was man wirklich braucht, läßt sich mit Sonnenenergie (sowohl Photovoltaik als auch Wassererwärmung, Heizung mit einfachen Energietauschern, etc.), Windkraft (kleine, robuste Windräder) und ggf. langsam drehenden Wasserrädern (da gibt es interessante Konstruktionen, die mit geringer Fließgeschwindigkeit auskommen und auch keine Fische zu Tartar häckseln…) erzeugen.

Das Hauptproblem ist die Zwischenspeicherung – Bleigelakkus mit ihrer begrenzten Lebensdauer sind nun wirklich pfuhibä. Es wird wohl, wenn sich bis zur Umsetzung von Elfenwald nicht noch bahnbrechend etwas ändert, auf Wasserstoff und Brennstoffzellen hinauslaufen. NICHT Methanol-basierte Systeme, wo man wieder auf “Tankstellen” angewiesen ist und sich giftigen Murks einhandelt, sondern tatsächlich geschlossene Systeme auf Wasserbasis.

Um die benötigte Leistung so niedrig wie möglich zu halten, werden wir ausschließlich das Beste einsetzen, was es an stromsparender Technik aktuell gibt. Also LED-Lampen, einen stromsparenden Mini-Server (es gibt Computer, die unter voller Last unter 15 Watt verbrauchen…), ausschließlich Notebooks (mein jetziges Standard-Netbook inkl. externer Lasermaus und Tastatur sowie 22″ Monitor zieht max. knapp 60 Watt, wovon bereits der Löwenanteil auf das große TFT entfällt…

Viele andere Dinge werden nicht elektrifiziert. Kochen kann man effizienter mit Sonne (Solarofen), Feuer und ggf. Gas. Alles besser als Elektroherde. Gewaschen wird wenig und mit Hand-Waschmaschinen, etc.pp.

Beim Ausbau der Energieversorgung werden wir uns intern am “Verursacher-Prinzip” orientieren. Will heißen: wer unbedingt eine Mikrowelle in seiner Hütte haben will, soll auch das Extra-Windrad besorgen, das man für ihren Betrieb benötigt. Aber wer wird schon so bekloppt sein…

Wenn Elfenwald wie geplant 2010 in Paraguay realisiert wird, stellt sich die Situation minimal anders dar, als zu der Zeit, wo ich diesen Artikel ursprünglich geschrieben habe: Paraguay hat in der Vergangenheit ein paar gigantische Wasserkraftwerke errichtet, teils in Kooperation mit den Nachbarn Brasilien und Argentinien. Diese sind natürlich auch, speziell durch die Veränderungen beim Bau, Abholzung von Wäldern, Umsiedelung einiger 10000 Menschen, nicht ohne jeglichen Negativ-Einfluß geblieben, produzieren aber seither überreichlich und vergleichsweise sauber Strom, von dem Paraguay einen Großteil gar nicht nutzen kann und exportiert. Fast 100% des im normalen Stromnetz dort verfügbaren Stroms stammen aus Wasserkraft. Insofern ist eine autarke Energieversorgung dort zwar auch angestrebt, aber nicht gar so dringlich, und in der ersten Zeit reichen ein paar kleine Solarpanele als Backup-Stromversorgung für den Internet-Zugang, denn auch wenn der Strom in Paraguay reichlich und günstig und sauber ist, das Stromnetz ist nicht für seine Ausfallsicherheit berühmt… ;-) Lustige Randnotiz: beim Bau des bis 2006 weltgrößten Wasserkraftwerks war seinerzeit auch der Vater einer lieben Gefährtin von mir mit am Werk. Jetzt könnte es gut sein, daß Töchterchen mit nach Paraguay zieht und unser Strom künftig aus Itaipu kommt…

Ein anderes Thema ist:

Wärme

Auch wenn wir Elfenwald mutmaßlich im warmen Paraguay umsetzen, wird es, Klimaveränderung hin oder her, ein paar Monate pro Jahr etwas kühler. Und auch sonst ist eine heiße Wanne, vorzugsweise in einer aus Natursteinen gemauerten Freiluftwanne, immer mal wieder nett… ;-)

Zum Heizen setze ich ebenfalls auf einen Mix. Ein Teil wird auch hier von der Sonne kommen. Es gibt genügend einfache, robuste thermische Solaranlagen, die ohne komplexe Zwischenspeicher auskommen, mit Pflanzenöl als Wärmetauscher arbeiten, und ziemlich problemlos eine gewisse “Grundwärme” liefern. Ein weiterer Teil wird einfach eingespart *lach*. Das wird zwar Dispute besonders mit den beteiligten Frauen geben, aber meine Erfahrungen mit dem Leben “draußen” zeigen sehr klar, daß ein großer Teil unserer Wärmebedürftigkeit damit zusammenhängt, daß wir unseren Energiehaushalt willkürlich sabotieren. Wer ständig zwischen überheizter Wohnung und kaltem Draußen wechselt, läßt seinem Körper nie die Chance, einfach selbst mehr zu heizen… erfahrungsgemäß pendelt sich der Körper fröhlich so ein, daß Temperaturen von 5-10° unter der sonstigen Wohlfühlgrenze dann auch noch als “mollig” empfunden werden. Und zwar ohne dabei signifikant mehr Nahrung zu brauchen. Und wenn das nicht hilft, gibts kleine, effiziente Holzöfen. Ist immer noch eine der effizientesten und umweltfreundlichsten Varianten.

Auch warmes Wasser braucht man nicht rund um die Uhr auf Verdacht zu produzieren, sondern man heizt halt ein, wenn man baden / duschen will.

Wenn wir einen massiven Überschuß an Strom fabrizieren sollten, können “Wärmebilder”, stromsparende flache Infrarot-Strahler zum An-die-Wand-Hängen, eine zusätzliche Variante bilden, besonders für den Gemeinschaftsbereich.

Insgesamt gilt: mit Energie bewußter umgehen, nur verbrauchen, was bewußt gewollt wird, und beim Decken dieses Bedarfes mit Phantasie und Neugier vorgehen und immer das “Beste” verwenden – ob das nun für den jeweiligen Zweck ein Holzfeuerchen ist oder eine High-Tech-Lösung.

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