Drogen

Drogen im Elfenwald?

Neben Sex und “Sekte” sind böse “Drogen” so ziemlich das erste, das “normalen” Menschen in den Sinn kommt, wenn es um Menschen geht, die sich aus den üblichen Wegen ausklinken und neue beschreiten.

Das kann man entweder an sich abprallen lassen, weil sich mit fehlinformierten, verbohrten Menschen nicht sinnvoll debattieren läßt. Oder man gibt zumindest zu Protokoll, was es dazu zu sagen gibt. Ich möchte letzteren Weg gehen.

Drogen – Definition?

Was sind eigentlich “Drogen”? Darüber ist viel geschrieben worden. Nur leider ist die klare, aber nicht immer einfach zu klärende, Definition nicht im öffentlichen Bewußtsein angekommen. Noch immer wird, je nachdem in welchem Kulturkreis man aufgewachsen ist, die eine Droge als normal angesehen, die andere als “gefährlich”. Prinzipiell ist alles “Droge”, was in irgendeiner Weise “psychoaktiv” ist, sprich an Geist, Verstand und Seele des Menschen herumschraubt. Das gilt für Bananen, Schokolade, das gilt in hohem Maß bei Zucker, Fleisch – und wenn man die Begriffe noch ein wenig weiter faßt, eigentlich für so ziemlich alles, was wir uns von außen zuführen. Auch Fastfood kann eine Droge sein, oder Rohkost. Wenn man auf der etwas “normaleren” Definitionsschiene bleibt, stehen Alkohol und Tabakwaren ganz weit oben auf der Liste. Und irgendwo im Garten des eher Exotischen blühen allerlei Kräutlein von Johanniskraut bis Mohn und Granatapfel.

Rezeption und sog. „Sucht“

Das Problem bei Drogen ist meist nicht der “Stoff” an sich. Wegen eines gesellschaftlich “korrekten” Opfer/Täter-Klischees wird in diesem Bereich viel um den Brei herumgeredet. Der zentrale Punkt ist: wer Suchtpotential hat, wird es mit irgendetwas füllen, oder irgendwann sein Suchtpotential abbauen. Das Problem ist nicht die Droge, es ist der Mensch und seine psychische Verfassung und eine politische und wirtschaftliche “Realität”, die es einem sehr nahelegt, zu Drogen zu greifen. Was übrigens nichts daran ändert, daß der Drogen-Nehmende für sich verantwortlich ist, und daß Dealer Sausäcke sind.

Es mag Grenzbereiche geben – bei sogenannten “harten” Drogen wäre es einen Selbstversuch wert, ob ein “stabiler” Mensch, der testweise und bewußt kokst oder Heroin nimmt, tatsächlich danach einen Suchteffekt oder Abhängigkeit spürt. Ich denke, und das wird durch verschiedene Beispiele aus der einschlägigen Literatur gestützt: Nein. Die Frage ist: wird er überhaupt ein Bedürfnis verspüren, es zu versuchen? Vermutlich nicht.

Bigotterie und Doppelmoral

Obwohl ich nie sehr aktiv war in der Drogenszene, beschäftigt mich das Thema schon lange. Ich habe, als ich vor vielen Jahren meine letzten Schuljahre im Internat Birklehof verbrachte, z.B. hier und da Mitschüler, die beim Kiffen erwischt wurden, als “Schüleranwalt” in sogenannten Disziplinarkonferenzen vertreten. Und schon damals hat es mich tierisch aufgeregt, daß Kiffer verfolgt wurden, anderseits aber in der schulinternen Kneipe (”Turmkeller”) das wöchentliche Zusaufritual geduldet wurde. Und daß die schärfsten Inquisitoren unter der Lehrer- und Mentorenschaft gerade die waren, die selbst als notorische Trinker bekannt waren. (Einwurf: der Birklehof war trotz einzelner Kritikpunkte zumindest damals das Beste, was einem Schüler widerfahren kann, und meilenweit vom grausligen Schulbrei unseres “Bildungssystems” entfernt. Ich bin heute noch dankbar, daß ich diese für mich sehr prägende Zeit dort verleben durfte.)

Unsere Gesellschaft spiegelt das, was die kleine Birklehofgemeinschaft umsetzte. Ich möchte nicht die Bierleichen bei den einschlägig bekannten CSU-Parteitreffen zählen. Über Burschenschaftler, jene abstrusen Männerbündler und kampftrinkenden Seilschaftsvermittlungen, muß man wohl keine Worte verlieren. Ich hatte auch genug Einblick in Medienbranche und Wirtschaft und weiß, wie viele in unserer sog. “Elite” sich nur noch mit Koks und Chemodrogen und Tablettensucht in ihrem schizophrenen Leben über Wasser halten. Über die Kokainspuren im Deutschen Reichs- resp. Bundestag wurde ausgiebig berichtet. Und doch maßt sich dieses bigotte Volk an, Cannabis zu kriminalisieren und jeden, der irgendein psychoaktives Kräutlein knabbert, als künftigen Junkie zu diffamieren.

Lächerlich, widerlich, und bezeichnend.

Persönliche Haltung

Ich selbst habe verschiedentlich gekifft in meinem Leben – und dabei im Gegensatz zu Bill Clinton auch inhaliert ;-). Meine Erfahrung war die gleiche, wie mit anderen Drogen bislang auch: ich spreche auf das Zeug nicht besonders stark an. Hat mir auch keine neuen Bewußtseinsebenen erschlossen. Also habe ich es wieder bleiben lassen. Langweilig bis nett.

Ich finde aber auch bis heute nichts Schlimmes daran. Genauso, wie ich nur sehr selten Alkohol trinke, aber wenn, dann mit Freude. Ich kann nichts Tragisches daran finden, wenn man bei einem fröhlichen Zusammensein mit Freunden halt ein Tütchen raucht oder ein paar Bröckchen in den Gulasch rührt. Das Gefasel von der “Einstiegsdroge” ist medizinisch und psychologisch Mumpitz. Noch einmal: wer Abhängigkeitspotential hat, wer – aus welchen Gründen auch immer – unbewußt sich bestrafen oder “untergehen” will, wird das tun. Wer nicht, der nicht.

Ein anderer Punkt ist der gezielte Einsatz von psychoaktiven Pflanzen in der Magie. Na, warum denn auch nicht? Gerade ein (ernsthafter) Magier oder Schamane wird die Stabilität haben, ein Mittel einzusetzen, so wie es ihm sinnvoll und gemäß erscheint.

Ob das notwendig ist, ob THC & Co wirklich ein Bindeglied zur “anderen” Welt sind, darüber läßt sich streiten. Ich persönlich halte diese Methode für fragwürdig – hat mir zuviel von “Brecheisen”, mit dem der Zugang zu anderen Welten “erleichtert” werden soll, hat mir zuviel von illegitimer “Abkürzung”. Ich denke, was erreicht werden kann, kann auch mit klarem Geist und ohne Drogen jeder Art erreicht werden.

Potentieller Drogenanbau und Drogenkonsum im Elfenwald

Im Prinzip gilt: wer will, der soll.

Wer an der Nadel hängt, säuft, Tabletten frißt oder ständig blöde grinsend zugekifft rumhängt, wird sich von meinen Konzepten ohnehin nicht angesprochen fühlen – und folglich auch nicht im Elfenwald auftauchen.

Ob jemand sich ein gemütliches Glas Wein oder einen guten Whisky oder eine kräftige Ladung Goldmohn oder ein Tütchen genehmigt, wenn er abends in seiner Hütte auf dem Bärenfell liegt – mir doch egal. Es wird im Elfenwald keine “Drogenabhängigen” geben, allenfalls zur Kur auf Besuch. Aber was das Leben schöner und lustiger macht, ist erlaubt. Die Grenze wird durch die persönliche Stabilität bestimmt – und da werden sich nur Menschen zusammenfinden, die von einem Joint oder zweien ebensowenig aus der Bahn zu werfen sind wie von einem Glas Wein und es nicht nötig haben, sich ständig – womit auch immer – zuzudröhnen.

Persönlich wäre es mir auch egal, wenn jemand es für nötig befindet, mit LSD, Heroin und anderem härteren Zeug zu experimentieren. Da gilt allerdings ein ganz einfaches Zugeständnis an die Gesetzgebung und den Bewußtseinsstand des jeweiligen “Wirtsstaates”: Synthetische und “harte” Drogen sind tabu. Wer sie einschleppt, bringt unnütz das Projekt in Verruf und Gefahr und kann daher seine Koffer packen. Punkt.

Was die diversen “natürlichen” und sanften Drogen angeht – es gibt etliche (z.B. Kalifornischer Goldmohn), die eine lange Tradition in der alternativen Medizin und im Ritualleben der Indianer haben – und obendrein vollkommen legal sind. Nett anzusehen sind sie auch noch – und so wird mit Sicherheit das eine oder andere Kräutlein bei uns wachsen dürfen, selbst wenn es dann höchstwahrscheinlich keiner außer den Karnickeln verkonsumiert…

Stichwort „wachsen“: wenn jemand sich für das Thema interessiert – die Geschichte von der uralten und noch im Zweiten Weltkrieg von der US-Regierung mittels Propagandafilmchen („Hemp for Victory!“) ihren Bauern nahegebrachte, weil „kriegsentscheidende“, Kulturpflanze „Hanf“, die von Bekleidung über Seile bis Essen und Trinken und Autokarosserien so ziemlich alles liefern kann, und gegen die die aufstrebende chemische Industrie wegen ihrer Popularität nicht anstänkern wollte und konnte, liest sich wie ein schlechter Krimi (oder wie ein gutes Sachbuch: The Emperor Wears No Clothes: Hemp and the Marijuana Conspiracy Der Autor, Jack Herer, ist 2010 leider verstorben. Die deutsche Ausgabe des Buches entstand in Zusammenarbeit mit Bröckers: Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf). Weil „Hanf“ kein gutes Feindbild abgab, sondern (zu Recht!) positiv besetzt war, suchte man sich einen obskuren mexikanischen Slang-Begriff für die eher nachrangige Anwendungsmöglichkeit des Hanfs als „Droge“. Und damit startete man einen gigantischen Propagandafeldzug, der zum Verbot dieser schlimmen Droge führte. Und erst hinterher kapierten die meisten, daß Marihuana und Hanf das gleiche sind…

Internet als Droge?

Interessante Randnotiz: in letzter Zeit wird vermehrt “das Internet” als “Droge” diffamiert – Menschen seien “online-süchtig” oder “Internet-abhängig”.
Botschaft: wer mehr als 20 Minuten pro Tag online ist und sich nicht auf den Besuch von tagesschau.de beschränkt, läuft Gefahr, “süchtig” zu werden. Das Internet ist böse.
Selbstredend ist das Blödsinn. Wer die angeführten Fälle genauer betrachtet, wird fast immer feststellen, daß es sich um ganz normale und altbekannte Spielsucht handelt, die halt in diesem Fall online ausgelebt wird. Aber daß es zwischen WoW und “dem Internet” einen Unterschied gibt, ist natürlich in der Argumentation störend.
Im Elfenwald wird es mindestens einen Internet-Junkie geben, und der wird auch weiterhin der medialen Verblödung mit stundenlangen Recherchen und fröhlichem Gestöber in die Parade fahren.

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