Brennstoffe, Heizen, Kochen

Gerade in alternativen, esotherischen und Weltverbesserer-Kreisen herrscht die Meinung vor, alles, was mit „Verbrennung“ zu tun habe, sei schlecht. Und müsse ersetzt werden.

In manchen Bereichen sehe ich das ähnlich – so sind z.B. Verbrennungsmotoren nur noch sehr eingeschränkt sinnvoll, gerade, wenn man in der Zivilisation lebt.

In anderen Bereichen halte ich es schlicht für Quatsch.

Feuer ist nicht umsonst in den „altmodischen“ spirituellen Weltbildern eines der „Elemente“. Es gehört zu uns, unserem Geist, es ist eines der Dinge, aus denen wir, während wir als physische Menschenwesen auf diesem Planeten herumwuseln, unsere Kraft ziehen. Es wärmt, es stärkt, es träumt uns.

Selbstverständlich kann man beim Heizen seiner Behausung den Energieeinsatz optimieren. Zum Beispiel dadurch, daß man in einem warmen Land lebt, wo man weniger heizen muß… ;-)

Und selbstverständlich ist es sinnvoll, so viel wie möglich der Arbeit von der weltgrößten Wärmelampe namens „Sonne“ erledigen zu lassen. Vorzugsweise auf direktem Wege – z.B. indem die Fensterfront so konstruiert ist, daß bei hohem Sommer-Sonnenstand wenig Sonneneinstrahlung den Innenraum trifft, dagegen bei niedriger stehender Winter-Sonne der Innenraum ein Maximum an Sonnenwärme abbekommt.

Bei der indirekten Nutzung der Sonnenwärme dagegen hapert es für meinen Geschmack: genau wie die unsäglichen „Zentralheizungen“, die in normalzivilisatorischen Wohngehäusen immer noch die Norm bilden, arbeiten diese Solarheizungen meist mit einem Wärmetauscher, und der eigentliche Heizeffekt wird über pisslauwarme Wasserrohre erreicht. Na gut, manchmal werden die auch richtig warm, aber nie so warm, wie man es bräuchte. Fürs Duschwasser sind Solarkollektoren (bzw. ein in die Sonne gelegter dunkler Gartenschlauch…) perfekt geeignet. Aber nicht fürs Heizen.

Denn – es gibt den grundlegenden Unterschied zwischen Konvektionswärme und Strahlungswärme.

Wir sind hier nicht im Ingenieurskurs, daher reicht eine sehr grobe Unterscheidung: Konvektionswärme ist, wenn z.B. ein warmes Wasserrohr/Heizkörper die Luft erwärmt, die es umgibt. Die warme Luft steigt auf, kältere strömt nach, wird erwärmt, und so weiter. Es gibt einen permanenten leichten Umwälz-Wind in der Bude, und langsam aber sicher steigt die Lufttemperatur, und man friert nicht mehr ganz so sehr.

Wirklich wohlig warm wird einem so aber nicht, zumindest mir nicht. Oder erst bei tropischen Raumtemperaturen.

Denn: die Wärme, die ins Mark geht, die einen wirklich und innerlich wärmt, ist die gleiche Art, wie sie von der Sonne kommt: Strahlungswärme. Wärmestrahlung (einen Teilbereich bildet das Infrarot, was man z.B. von Wärmelampen kennt) erwärmt nicht die Luft, sondern die Körper, auf die sie trifft. Kennt jeder, der mal an einem klaren Wintertag, von Schnee und frostkalter Luft umgeben in der Badehose (oder auch ohne) in der Sonne gehockt hat.

Um sich wohlzufühlen, und zwar schon bei wesentlich geringeren Raumtemperaturen (was wiederum positive Nebeneffekte hat, z.B. weniger trockene Raumluft), gilt es, diese Sonnenwärme zu simulieren.

Das klappt nach heutigem Stand der Dinge auf zwei Weisen:

Die eine Variante sind Wärmestrahler, die sich von den simplen und extrem stromfressenden Quarzlampen und Heizschlangen, wie man sie oft noch in Badezimmern findet, zu relativ energieeffizienten High-Tech-Gebilden weiterentwickelt haben. Sog. „Wärmebilder“ kann man im Prinzip an die Wand hängen – die Dinger sind sehr flach, werden heiß, aber nicht so, daß man sofort in Flammen aufgeht, wenn man sie anfaßt, und verwandeln dank irgendwelcher finsterer raumfahrt-inspirierter Carbon-Futzel-Irgendwas-Matten im Inneren Elektrizität zielgerichtet in Wärmestrahlung. Die Dinger erwärmen den Menschen und den Stuhl und die Wand – die Luft dann nur indirekt über diese. Und schaffen so behagliche Wärme. Übrigens gibts die auch schon in durchsichtig, genaugenommen glasklar – so wird das Fenster zur Heizung. Kein Witz. Nur noch recht teuer.
Klar, der Strom dafür muß irgendwo herkommen. Aber wenn man solche Wärmebilder mit einer leichten Grundwärme über Sonnenkollektoren kombiniert, und der Strom aus akzeptablen Quellen stammt (entweder man produziert ihn selbst, oder er kommt, wie in Paraguay, in reichlicher Menge aus Wasserkraftwerken, die zwar bei ihrem Bau auch ökologisch bedenklich sind, aber nun mal da sind und ohne größeren Schweinkram Strom im Überfluß fabrizieren), dann ist es mir herzlich wurscht, ob dabei etliche Prozent bei der Umwandlung „verloren“ gehen. Energieeffizienz ist nicht alles – wenn man mit ein paar Prozent mehr, die von Sonne und Wind und Wasser ohnehin geliefert werden, sich wohlfühlt, ist das sinnvoller, als wenn man politisch korrekt vor sich hinbibbert…

Der zweite Ansatz, und damit sind wir nach längerer, aber notwendiger Vorrede endlich beim Thema, *lach* – ist höchst archaisch.

Ein offenes Feuer. Oder ein Ofen, und zwar einer von denen, die richtig heiß werden und ordentlich Wärmestrahlung abgeben. Es gibt nichts Angenehmeres und Gesünderes – Punkt. Und auch nichts ökologisch korrekteres – obwohl sich da gleich Gezeter erheben wird, vermute ich… ;-)
Natürlich – wenn all die Millionen Menschen in den Städten dieser Erde wieder mit Holz (oder diesen blödsinnigen „Pellets“) und Kohle heizen, wird’s grausam. Geht nicht. Soviele Wälder können gar nicht wachsen… und es würde auch gehörig qualmen, zumal die meisten ja nicht einmal mehr wissen, wie man einen Ofen anmacht… ;-) Da müssen andere Lösungen her, und die dürften sich die überlegen, die die Massenmenschhaltung erfunden haben. Nicht ich.

Denn das ist wie gewöhnlich nicht das Problem des Feuers oder des Holzes, sondern der Einwohner-Dichte und Zahl. Wenn ein paar bewußte Menschen auf einem relativ großen Stück Land leben, verschiedene Energiequellen sinnvoll kombinieren und behutsam das sammeln und verfeuern, was ihnen ihr Wald so abwirft, juckt das keinen, auch die sog. „CO2-Bilanz“ stimmt, es gibt keine Transportwege, keine Pipelines, nix. Probleme entstehen, wenn die Menschen aus Armut oder mangelndem Wissen heraus alles abhacken, was ihnen in die Finger kommt und verheizen, auf daß die Wüste sich ausbreite, – oder wenn sie zu zahlreich sind und in Ameisenhaufen leben.

Für die Menschen im Elfenwald wird es jedenfalls öfter mal ein Feuerchen geben, und bullernde Öfen mit Sichtfenster in der kühlen Jahreszeit – zusätzlich zu den Wärmebildern an der Wand, und der Nutzung direkter Sonnenenergie für die Grundwärme.

Voraussetzung ist eine behutsame, nachhaltige Nutzung der Bäume, die da so wachsen, und die man zusätzlich säen bzw. pflanzen wird, wobei ein Mix verwendet wird aus schnell- und langsam-wachsenden Hölzern, und aus solchen, die man eher fällt bzw. solchen, von denen man eher die regelmäßig abfallenden toten Äste verwendet (nein, man braucht nicht kubikmeterweise dickes Scheitholz, um kleine Häuschen zu erwärmen… außerdem gibt es auch im Ofenbereich Weiterentwicklungen, wie extrem effiziente „Rocket Stoves“ oder kleine Holzvergaser-Brenner zum Kochen).

Dazu kommen ein paar Dutzend Quadratmeter anderen Brennmaterials: Schilf und ähnliche Grasarten. Schilf hat – pro Kilo gerechnet – einen höheren Brennwert als Braunkohle, und gerade in Zeiten, wo es nur gilt, die klamme Morgenkühle etwas zu vertreiben, reicht ein Bündelchen Schilfrohr im Kamin oder im Eisenofen, und die Hütte kriegt den gewünschten kurzen Wärmeboost. Auch gut, um kurz ’nen Tee zu kochen, wenn die Sonne für den Solarkocher grad nicht scheinwillig ist, und man das ökologisch leicht unkorrekte Gas in der Flasche lassen will…

Woher das Schilfrohr kommt? Teils aus der Pflanzenkläranlage, die recht großzügig bemessen wird. Dank der reichlichen Düngung wächst das Zeug da wie blöd, und man kann immer mal einen Arm voll abernten. Dazu kommen Bambus und Riesengräser, die auch abseits des Wassers wachsen – wie z.B. das recht genügsame und bis zu 4 Meter hohe China-Schilf (Micanthus x giganteus – sieht obendrein noch nett aus!) mit seinen kleinfingerdicken Stengeln, das mittlerweile ja selbst von der konventionellen Heizindustrie als extrem energiereiches und auch zum Füttern von Pellet-Heizungen verwendbares Material entdeckt wird. Bei uns wird es allerdings nicht in quadratkilometergroßen Monokulturen wachsen, sondern da, wo man eh einen Wind-/Sichtschutz möchte, und geerntet wird an den Rändern, wo es sonst sowieso zur Ausbreitung neigen würde… In Paraguay bietet sich das verwandte „Kamerun“ (Elephantengras) ebenfalls an, und ausgepreßte Zuckerrohrreste sind eine weitere hochenergiereiche Brennstoffquelle.

Noch ein Wort zu „fossilen Brennstoffen“: mal die durchaus ernstzunehmende Debatte, ob die wirklich so „fossil“ sind, außen vor gelassen – in manchen Bereichen sind Öl/Benzin und Gas ganz einfach praktisch und einstweilen noch schwer zu ersetzen, wenn man auf frei verkäufliche und erschwingliche Technologie angewiesen ist. Sinnvolle und bewußte Nutzung sind in meinen Augen da vernünftiger als ideologisches Unbedingt-Vermeiden.

Ein nagelneuer und mit immensem Energie- und Gift-Aufwand hergestellter Hybrid-irgendwas-Wagen mit seiner anfälligen Technik ist in keinster Weise und überhaupt gar nie nicht ökologisch sinnvoller, als ein 20 Jahre alter Pickup, der gepflegt und selten gefahren wird, den man selber warten und reparieren kann, und der halt, WENN er mal gefahren wird, fröhlich 12 oder 15 Liter auf 100 Km hinten rauspustet, auch noch die nächsten zehn bis 15 Jahre…

Ähnliches gilt für Gas: klar wird man in erster Linie mit vorhandenen Energiequellen kochen und brutzeln, sofern man die Früchte und den Salat nicht eh roh futtert. Aber zusätzlich zu Solarkocher und Holz/Schilf-Feuer schadet es überhaupt nicht, wenn da ein Gasherd mit ´ner Gasflasche dran rumsteht und hier und da angeworfen wird, sei es, weil es draußen schüttet, oder weil man grad zu faul ist, oder weil man grad mal fein dosierte Hitze für ein verspieltes Gourmet-Essen benötigt…

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