Börse, Forex und Finanzen

Ein paar polemische Anmerkungen zum gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzsystem – und unseren Chancen, es zu verändern.

Dazu zwei Vorbemerkungen: ich habe etliche Jahre, bevor die sogenannte „Finanzkrise“ inszeniert wurde, es geschrieben und gesagt, daß es so kommen werde. Und die korrekten Gründe benannt. Nicht, weil ich so ein toller Wirtschaftsexperte wäre (das bin ich glücklicherweise nicht), sondern weil es so offensichtlich, notwendig und gewollt war.
Mein Fehler lag darin, daß ich die Fähigkeit und Skrupellosigkeit dieses Gesindels unterschätzt und die Menschen überschätzt habe – ich hätte den Crash etwas weniger inszeniert und kontrolliert, dafür härter und gründlicher und ca. 2 Jahre vorher erwartet und erhofft. Aber durch die rückgratlose Kollaboration der Politikhanswürstchen und das gelangweilte leicht ängstliche Gähnen der Menschen konnte das Gesindel mal wieder seinen Arsch retten, Hunderte Milliarden frisch erfundenes Falschgeld abzweigen, und ganze Volkswirtschaften (=wir, solange wir uns nicht ausklinken) wurden auf ewig verpfändet.

Die zweite Vorbemerkung: das Nachstehende hat, wie alle Artikel in diesem ABC, nicht die Absicht, irgendjemanden zu überreden oder zu überzeugen. Diese Anmerkungen haben auch nicht den Anspruch, umfassend und erschöpfend zu sein – oder gar Lösungen für ein kaum lösbares Problem zu präsentieren. Ich gebe nur ein paar Meinungen und Randnotizen zum Besten. Wer sie versteht, wird sich angezogen fühlen, daraus kann dann das eine oder andere werden. Wer nicht, der flüchte bitte schnellstmöglich wieder ins „Spiegel“-Forum oder zur FTD. Danke.

Börse – von Aktien, Optionen und Terminen

Zur „Börse“ muß man wirklich nichts mehr sagen. Die Vorgänge 2008/2009 müßten eigentlich dem letzten klargemacht haben, daß dort ausschließlich zwischen Heißluftverkauf und organisiertem Betrug herumlaviert wird. Keinerlei realer Bezug. Das Casino gehört ersatz- und entschädigungslos geschlossen. Fertig.
Das Grundkonzept, daß „man“ (wozu in erster Linie die eigenen Mitarbeiter gehören sollten) Anteile an einem Unternehmen erwerben kann und dadurch dann an den Gewinnen (und Verlusten) beteiligt wird, kann überdacht und in anderer Form realisiert werden, vorzugsweise als volkseigener Betrieb, *lach*.

Die Fokussierung auf Kursgewinne und das Quartalszahlengewichse hat außer einigen Zockern niemandem etwas gebracht, das Erfinden immer neuer Absurditäten (die vielzitierten „Derivate“ gehören ja noch zu den überschaubareren Dingen…), die selbst sog. „Finanzberater“ schon lange nicht mehr verstehen, dafür aber umso fleißiger ihren Kunden aufschwatzen, ist schlimmer als der Ablaßhandel – denn der, obwohl ähnlich substanzlos, führte wenigstens dazu, daß die Opfer sich ein klein wenig besser fühlten…

Das gilt auch für die meisten anderen „Finanzprodukte“, wie sie außerhalb der Parkette von Bankstern und anderen Ganoven an gierige und/oder dumme Menschlein, die auch mal ’nen Happen leichtverdiente Kohle abhaben wollen, vertickt werden – von „Steuersparimmobilien“ bis „Kapitallebensversicherung“.

Interessant finde ich, daß bei all den Wortschäumereien, die rund um die sog. „Finanzkrise“ abgesondert wurden, ein Wort sehr selten fiel. Ein Wort, daß auch sonst in der Medien“berichterstattung“ sehr selten fällt. Gebt es mal bei SPON oder der Süddeutschen in die Suche ein und lacht Euch über die Handvoll Ergebnisse kaputt. FOREX.
Die „Foreign Exchange“ ist der bei weitem größte „Markt“ der Welt. Er ist rein virtuell, gleich in mehrfacher Hinsicht, da er nur in Computernetzen stattfindet. Sein Handelsvolumen, ebenfalls rein virtuell, aber mit höchst realen Auswirkungen, übersteigt das aller anderen Handelsplätze zusammengenommen deutlich. Es ist der Markt, auf dem Währungen gehandelt werden. Bzw. ständig nichtexistierendes Geld gegen anderes nicht-existierendes Geld hin- und hergetauscht wird – wobei versucht wird, mit den Kurswetten ordentlich Geld zu scheffeln. Das ist der Platz, wo Volkswirtschaften hoch- oder runtergezockt werden, weniger die Wallstreet oder das kleine Frankfurter Hinterzimmer.

FOREX – im globalen Hive des Geldes

Am 17. Juli 2009 gegen 12:10 Uhr GMT sprang der Euro innerhalb von Minuten von 1.4072$ auf 1.4116$, stieg im Verlauf des Nachmittags auf 1.4142$ und stürzte zwischen 19 und 20:00 auf 1.4100$ ab. Dazwischen wildes Gezucke, wie jeden Tag.

Nein, es gibt KEINEN sinnvollen Grund für diese Entwicklungen, genau wie an der (Aktien-)Börse, im Optionsscheinhandel oder sonstewo im Casino. Gäbe es vernünftige, reale Gründe für Kursentwicklungen, dann wäre Börse vorhersagbar und logisch. Dann könnte man aber nicht so schön zocken. Glücklicherweise gibt es aber keine Gründe, die ein denkender Mensch akzeptieren könnte, und man braucht auch keine.

Auch wenn die Sektenmitglieder der Organisierten Finanzialität das gerne mit pseudowissenschaftlichem Geschwafel anders darzustellen versuchen.

Was es gibt, sind eine Menge AUSREDEN, warum man gerade den Euro, eine Aktie, ein Land ein bißchen rauf oder runterzocken könnte, so daß es im Nachhinein halbwegs rational begründbar erscheint.

Da gibt es irgendeine Nachricht aus dem Euro-Raum, die auf minimal gestiegene Auftragslage hinweisen könnte. Hat das Auswirkungen? Hat deshalb irgendein Europäer mehr Geld in der Tasche? Gibt es irgendwelche realen Veränderungen im internationalen Wirtschaftsgeflecht, die außerhalb der Meßtoleranz lägen? Irgendeinen Grund, warum das Tauschverhältnis des Euro sich verändern müßte? Nö. Nix dergleichen. Schon gar nicht in dieser Sekunde.
Aber selbstverständlich ist die Nachricht gut, um mal kurz den Euro 40 Pips hochgehen zu lassen.
Danach schmiert er wieder ab. Egal.
Das nennt man dann „Fundamentalanalyse“. Richtig reale Dinge. Voll überzeugend und fundamental, und so.

Wem das schon ein leichtes Stirnrunzeln verursacht, und wer gedacht hat, daß eigentlich eine Währungskursanpassung alle paar Monate reichen würde, um reale Vorgänge zu spiegeln, der sollte sich setzen. Und sich gut festhalten.

Das war noch der halbwegs nachvollziehbare Teil. Denn ansonsten regelt sich dieser Markt der Illusionen über Panik und Gier, und über gaaaanz viel selbsterfüllende Prophezeihungen. Selbst die Eso-Branche mit ihren alljährlichen Kristallflotten-Landungen wirkt dagegen wie ein Haufen hartgesottener Realisten. Wenn die untere Widerstandslinie den gleitenden Durchschnitt nebem dem Hurzfutz kreuzt und im Kerzendiagramm sich ein umgekehrter Hammer zeigt, werden die Kurse steigen. Jedem Astrologen lacht das Herz. Das ist aber aus einer Forex-Anleitung für Anfänger, nur geringfügig von mir entstellt (das Googlen nach „Hurzfutz“ kannste Dir sparen…) und zusammengefaßt. Man möchte grad mit Thors Hammer werfen, aber nicht umgekehrt…

Chartanalyse“ nennt sich das. Hat zwar höchst selten recht, aber genau wie die Erlösungspropheten gleich nach jeder mißglückten Abholung den nächsten Landungstermin festsetzen und immer einen Haufen Gründe finden, warum es das letzte Mal nicht geklappt hat – so auch hier.
Nein, nein, die Technik oder die ihr zugrundeliegende Religion, äh, Wissenschaft ist selbstverständlich fehlerfrei und unschuldig. Erstaunlich oft funktioniert der Unfug ja auch – weil alle dran glauben und sich dementsprechend verhalten, wenn sich die entsprechenden Zeichen in den Gedärmen der Vögel zeigen.

Der Sinn dahinter? Stell nicht so unseriöse Fragen. Bist Du ein kommunistischer Spinner, oder was? ;-)

Ach ja – falls irgendwelche denkenden Menschen sich gerade gewundert haben, warum man mit Kursschwankungen von oft nur 0,000x Euro sehr viel Geld „machen“ (oder verlieren) kann, und falls sich jemand im Kopf die Summen ausgerechnet hat, die dazu notwendig wären, um auf einigermaßen ernstzunehmende Beträge zu kommen: richtig gedacht. Aber wie schon oben angedeutet: an der FOREX wird nicht mit echtem Geld gezockt, sofern man unser Geld „echt“ nennen will.

Man arbeitet dort mit „Margin“ und „Leverage“. Will sagen: gehst Du in Casino, legst 1.000 Euro auf den Tisch, echte. Kriegst Du 100.000 Euro für, virtuelle. Darfst Du mit zocken. Alle Gewinne und Verluste werden so berechnet, als hättest Du mit 100.000 Euro gewettet. Wenn Du heimgehst, lösen sich die 100.000 in Luft auf (meist schon vorher…), äh, stehen als „Buchgeld“ weiterhin auf dem virtuellen Konto irgendeiner Bank/Traders, und Du nimmst mit, was von Deinen 1000 noch übrig ist bzw. was Du dazugewonnen hast.

Wobei ein „Hebel“ von 1:100 noch geradezu konservativ ist – teilweise wird mit bis zu 1:500 gepokert, sprich mit 10.000 Euro kann man auf diesem Markt so tun, als wäre man Herr über 5 Mio. Und wer tatsächlich 5 Mio hat – hebelt mit 2.5 Milliarden in der Gegend herum. Wundert sich grad noch jemand, warum immer mal auf dem „internationalen Finanzmarkt“ ein paar Trillionen verschwinden oder irgendwelche Schwerkriminellen mit Schweizer Paß jeden auslachen, der weniger als 25% Rendite macht? Eben.

Stichwort 25%. Das Casino ist lustig. Und ich bin neugierig, besonders darauf, wie morphogenetische Felder funktionieren. In letzter Zeit „spiele“ ich ein wenig mit, allerdings bewußt nur mit einem Demo-Account (wer auch will: diverse Broker bieten Echtzeit-Forex-Trading und kostenlose Trainingsaccounts, z.B. bei Zockerbude 1 oder Zockerbude 2 1).

Reales eigenes Geld würde ich wohl nicht dort einsetzen, mal abgesehen davon, daß ich es nicht in relevanter Menge habe. Was aber lustig ist und warum ich das tue: ich ignoriere bewußt sämtliche Nachrichtenticker, während ich handele. Die Charts verfolge ich, aber nur die hektisch pulsierende Echtzeitansicht mit minutenweisen Kerzendiagrammen, und ohne dabei die üblichen Kriterien der Chartanalyse anzuwenden. Ich klinke mich ein in den Hive. Ich fühle die Welle, hüpfe über die Kerzen, ahne die Panikanfälle, bin im Hirn des virtuellen Geldes.

Hier und da liege ich zwar grob falsch, hier und da trifft mich auch ein „Margin Call“ mit voller Wucht, aber dennoch Ergebnis konstant bei rund 20-25% Gewinn. Pro Woche, nicht Jahr.

Ich sage doch – das ist eine Religion, ein magisches Ritual. Vermutlich könnte jeder fähige Schamane, wenn er denn Lust zu dem Unfug verspürte, an der FOREX ein paar Millionen machen – Du mußt nur den globalen Angstschweiß der Trader-Herde riechen können. Wobei das Geld meist seinerseits riecht, ob Du ihm wirklich untertan bist, – zockst Du mit realer Kohle, geht das meist anders aus, wenn Du kein echter Gläubiger bist. Die Willkür und der Haß der Götter sind grenzenlos, und bei diesem Gott besonders.

Geld – die Religion des Zinses

Stichwort „Religion“ – damit kommen wir zum letzten Punkt dieser kurzen Boshaftigkeitensammlung. Das Geldsystem an sich. Es gibt viele Dinge, die Menschen als „Tatsache“ akzeptieren, obwohl sie bei unbefangenem Blick völlig absurd sind. Geld ist eines davon. Geld ist nichts wert. Null. Nada. Schwein oder Apfel ist was wert, kann man essen. Eine Massage ist was wert, fühlt man sich gut danach. Auch ein Bild oder ein Gedicht. Geld an sich aber – Fehlanzeige. Selbst Gold ist eher nutzlos, wenn man mal von ein paar esotherischen Bedeutungen und Wirkungen absieht.

Geld ist eine reine Übereinkunft, ein Glaube, eine Abmachung. Ursprünglich vielleicht sogar eine sinnvolle, zwischen Menschen, die nicht immer gerade eine 16tel Schweinehälfte griffbereit hatten, wenn sie einen neuen Faustkeil kaufen wollten – und sich deshalb auf bestimmte Muscheln oder farbige Maiskörner als Zahlungsmittel einigten.

Schon seit langem aber ist Geld einfach nur noch eine Religion. Obendrein eine sehr wackelige, spätestens seit dem Ende des Goldstandards. Ein Stück Papier mit einer krakeligen, unleserlichen Unterschrift irgendeines Zentralbanksters, ausgegeben von einer privaten Bank (nein, die meisten Notenbanken gehören nicht den Staaten, das haben sich die Witzbolde vor langem aus der Hand nehmen lassen), und die „garantiert“, daß dieser Wisch „100 Euro“ „wert“ ist? Häh??? Was macht diese Witzfigur, deren Name wohlweislich nicht einmal mehr in Klarschrift auf den Scheinen steht, wenn mal jemand auf der Matte steht und für diesen nutzlosen Schuldschein was Reales will? Genau, er wird wahlweise die Bullen oder die Männer mit den weißen Kitteln rufen, denn beide sind seine gehorsamen Diener. Und, wenn ein paar mehr vor der Tür stehen, darf die Bundeswehr das tun, wofür die armen Schweine in Afghanistan abgestumpft werden (sollen). Der Einsatz im Inneren gegen die Zivilbevölkerung, im Dienste der Herren des fiktiven Gottes Geld. Glücklicherweise sind nicht alle Soldaten dämlich, genaugenommen sind da eine Menge anständiger Menschen drunter, selbst in den Offiziersrängen. Hoffen wir, sie sind im „Ernstfall“ auf der richtigen Seite. Aber das nur am Rande.

Wer sich die Mechanismen der „Geldschöpfung“ (die nennen das auch noch wirklich so, sie lügen ja nicht immer…) und des Zins-Systems jemals zu Gemüte geführt hat und sie halbwegs versteht (hübscher Einstieg ist das Märchen vom Goldschmied Fabian und der Erfindung des Geldes…„Gib mir die Welt plus 5 Prozent“) 2, der kann das ganze Affentheater mitsamt Menschheit einfach nicht mehr ernst nehmen. Oder er greift sich eine Kalaschnikov und macht Revolution. Oder wandert in irgendeine Bananenrepublik aus, sichert sich ein Stück Land, lernt es zu bebauen und zu verteidigen, nimmt vorzugsweise Gold- und Silbermünzen, Ananas und Wildschweinhälften als Zahlungsmittel für seine Dienstleistungen, koppelt sich so weit wie möglich ab, und läßt die Bekloppten weiter im Kasperletheater in der Zinsknechtschaft schmoren.

Wer noch glaubt, es ließe sich hier etwas reformieren, der kann sich ein wenig über vernünftige Tauschsysteme informieren, bei denen es nicht möglich ist, mit Geld Geld zu „verdienen“, und wo am Prozeß der rituellen Gelderschaffung alle teilhaben. Es gibt etliche dieser Schwundgeld-Systeme, teilweise werden sie im Rahmen von Regionalwährungen auch bereits praktisch eingesetzt. Die meisten basieren auf Grundideen von Silvio Gesell.
Das aktuell aussichtsreicheste, aber noch nicht wirklich benutzbare System scheint mir das von Joytopia zu sein. Wobei ich mich zugegebenermaßen mit dem Bereich nicht weiter auseinandersetze – Grundprinzipien verstanden – und mich verabschiedet.

Denn: gibt es eine Lösung für all dieses absurde Zeug von Börse bis Zins, von Derivat bis Forex? Kann die Menschheit auf vernünftige Währungen und freies Wirtschaften zum Wohle aller umsteigen?

Jaaaa, sie könnnnnnnnte. Aber sie kann nicht.
Noch nicht. Nicht in absehbarer Zeit.

Warum? Nein, nicht weil wohlorganisierte und über jeglichen Skrupeln befindliche Machtcliquen selbstredend kein Interesse daran haben, ihre über die Jahrhunderte gewachsene und schier unbegrenzte Macht über 99,9% der Menschheit aufzugeben. Dieses Gesindel ließe sich wegfegen, auch wenn sie ihre Wachhunde erstmal etliche von uns abknallen lassen würden. Nein – die Macht dieser Gestalten könnte man brechen.
Das Problem sind nicht die „Manager“, die bösen Hedge-Fonds, die Zentralbanken, die Bilderbergerchen und die paar Dutzend Clans hinter all dem – all das ließe sich auflösen, die Herrschaften einsperren oder unter freundlicher Anleitung für nützliche Tätigkeiten begeistern.

In der praktischen Umsetzung durchaus fordernd, *hüstel*, aber kein prinzipielles Problem. Doch – was dann?! Wie schon an anderer Stelle angemerkt: nach der Befreiung kommt Freiheit… die muß man gestalten können.

Das Problem ist der Mensch.
Wir sind noch nicht so weit.

Das Thema wurde auch in der Debatte über die sog. „Finanzkrise“ immer schön unten gehalten, und wer es ansprach, war entweder ein Agent der bösen Bankster (tatsächlich), oder er wurde trotzdem von den GutBloggern in der Luft zerfetzt, weil man doch den bösen Feind so schön klar dort oben sitzen sah und keine Grautöne dulden konnte…

Aber leider ist es wahr: keine Religion funktioniert ohne willige Gläubige und duckmäuserige Sklaven.
Die Menschen sind voll Angst und Gier. Natürlich wird das von interessierter Seite verstärkt. Aber sie könnten trotzdem anders – und tun es nicht. Sie schielen auf die Abwrackprämie, ihr Krümelchen vom Finanzbetrugs-Kuchen, ihr Schweigegeld.

Es gibt keine „Opfer“, nur unfähigere und fähigere Täter.

Ich bin, obwohl ich oft und gerne allein bin, vielen Menschen begegnet in meinem Leben. Durch meinen lustigen Lebensweg auch sehr unterschiedlichen – vom Künstler bis zum Banker, vom Gerüchtsvollzieher bis zum Vorstandsfuzzi, vom Mittelständler bis zum Landstreicher, vom Unternehmensberater bis zum Pfaffen.

Ich habe nicht viele getroffen, die ehrlich und wirklich die Chance auf einen schnellen Profit auslassen würden. Die nicht gerne von der Arbeit anderer profitieren würden. Die nicht gerne ihr „Geld für sich arbeiten lassen“ würden (und ja, die meisten Menschen wissen oder spüren ganz genau, daß das nur eine Umschreibung ist dafür, von der Arbeit anderer Menschen zu leben, Geld arbeitet nicht). Die nicht gerne „Steuern sparen“ wollten mit einer dollen Ost-Immobilie. Die nicht mal ordentlich an der Börse gezockt haben (jöi, ich habe da auch seinerzeit einige Kröten versägt, nebenbei bemerkt… bin ja hier nicht der Heilige vom Dienst). Selbst spirituelle Gemeinschaften in Paraguay weisen Interessenten auf ihren Webseiten darauf hin, daß man in Paraguay bis zu 15% auf Festgeld bekommt – davon könne man schon ganz gut leben. Ach ja? Und wo kommen die 15% her? Kenne ich viele Menschen, die für ein gebrauchtes Gerät einen fairen, realen Festpreis verlangen – oder kenne ich mehr, die das Ding mit möglichst grenzwertigen halbgelogenen Beschreibungen auf Ebay verticken, weil „jeden Morgen ein neuer Depp aufsteht“, oder erstmal 40% mehr verlangen, um sich dann runterfeilschen zu lassen oder den anderen um 40% zu erleichtern? Wie viele von uns verdrängen nicht, wo das „günstige“ Schnitzel herkommt, oder warum das T-Shirt so wenig kostet?

Ich sage nicht, daß das alles „schlecht“ und „böse“ ist, oder wir uns jetzt alle geißeln müssen, oder einen auf LOHAS und Utopia machen müßten – das sind oft auch nur mäßig sinnvolle Gewissenspflästerchen.
Ich halte es sogar für bedingt sinnvoll, die Quellen innerhalb des Systems, die besonders virtuell sind und nicht direkt andere ausbeuten und versklaven, ordentlich zu melken und das Geld für Besseres einzusetzen (hat irgendein fähiger Forex-Trader Lust, mit in den Elfenwald zu ziehen??? ;-) )
Und wer gerade keine Kohle hat, der darf auch bei Aldi einkaufen. Mach ich auch. Eine Weile darf man verdrängen. Man kann trotzdem schon mal Salat anbauen und ein paar Dinge anfangen, anders zu machen.

Und wie bei vielen anderen Mechanismen und menschlichen Eigenheiten (Eifersucht, Aggression, Machtstreben, etc.) hilft ein gelegentlicher halbwegs ehrlicher Blick in den Spiegel.

Nur wer weiß, wo er steht, und die Dinge beim Namen nennt, hat die Chance auf Entwicklung.

Bevor wir Menschen Angst und Gier (und Opfergesülze) nicht hinter sich gelassen haben, können wir zwar viel über alternative Modelle nachdenken – funktionieren werden sie aber ebensowenig wie der aktuelle Mist. Und die bösen Bankster sind einfach nur die Ekelpakete, die etwas „fähiger“ waren innerhalb der Kriterien dieses absurden Systems. Das macht sie nicht besser oder rechtfertigt ihr Treiben, nebenbei bemerkt. Nur sind sie keine mißratenen Ausnahmen. Die meisten Sklaven hätten gerne selber welche und sind nur zu schwach, feige, faul und dumm dazu.

Ist halt so – braucht man gar nicht die große moralische Keule schwingen, weder gegen sich, noch gegen andere.
Muß man aber mit umgehen, und nach der Erkenntnis handeln.
Gegen die Auswüchse der erfolgreicheren Schweinebacken hilft eine gelegentliche Revolution, bei der vorzugsweise nicht nur die kleinen Handlanger die Wut abbekommen.
Damit es wirklich besser wird, müssen aber wir kleinen Schweinebacken uns entscheiden, ob wir das wirklich wollen.
Und dann anfangen, uns selbst zu entwickeln, liebevoll-anarchische Bündnisse zu schließen, zu kooperieren, unser Paarungsverhalten nicht mehr nach Dominanz und Stärke auszurichten, die Freude hinter der Gier von der Gier zu lösen, funktionierende, auf Bedarf statt Profit ausgerichtete Unternehmen und Versorgungsstrukturen aufzubauen, und immer wieder uns selbst klar zu sehen und zu verändern, soweit möglich.
Vielleicht können wir über ein paar Dutzend oder ein paar Hundert Generationen Angst und Gier „ausmendeln“ aus der Menschheit.
Dann funktioniert auch Joytopia.

  1. wer im Geld-Casino zockt, tut das auf eigene Gefahr. Macht Spaß, man kann auch viel Geld „machen“, sollte aber relaxed genug sein, seinen Einsatz auch fröhlich zu vaporisieren, das geht nämlich ebenfalls recht flink, wenn man zu gierig wird oder sonstige Fehler macht… Mit etwas Arbeit an sich selbst und fundiertem Wissen kann man die Roulettechancen dagegen sehr zu seinen Gunsten verschieben!
  2. einige Schlaumeier versuchen, dieses Video deswegen runterzureden, weil der (deutsche) Urheber der böse Michael Kent/Kapp/Wieauchimmer ist mit seiner lustigen Kent-Depesche, der als halbherzig bekennender Scientologe verschrien ist. Was für ein Blödsinn – Kent denkt für einen Scientologen beachtlich viel, verbreitet in seiner Depesche neben einer Menge Schwachfug immer wieder gute Themen und Ansichten, und außerdem ist das vollkommen gleichgültig, denn wie immer gilt: wer recht hat, hat Recht, egal, wo er ansonsten steht. Das Video trifft den Geldnagel auf den Kopp, punkt.
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