Architektur und Bauen

Dazu wird es im Laufe der Zeit noch eine Menge zu schreiben, berichten, photographieren geben… aber schon mal ein paar, größtenteils noch theoretische Vorbemerkungen.

Ich kann mit „normaler“ Architektur und den üblichen Wohngegebenheiten in der bürgerlichen Zivilisation nicht mehr viel anfangen, auch wenn ich manches durchaus immer noch „hübsch“ finde, etwa eine weiträumige, schön gemachte Galeriewohnung, oder ein nettes, leicht angegammeltes Herrenhaus mit Säulchen und Bibliothek im englischen Stil… ;-)

Die Gründe für diesen Überdruß und den Wunsch nach anderen Lösungen:

  • rechte Winkel. Sie dominieren die Platzeffizienz der Städte und die Hirne der meisten Gebrauchs-Architekten. Grauenhaft. Ich kann rechteckige Wohngehäuse nicht ausstehen, schon länger nicht – ich mag, wenn ich schon „Wände“ um mich habe, wenigstens organische Formen, Rundungen, Fluß, Offenheit.
  • Luft und Energiefluß (Energie im noch-nicht-ganz-verstandenen „esotherischen“ Sinne). Die meisten Wohnungen und Häuser schotten den Menschen ab. Gegen Luft, Feuchtigkeit, gegen Wind, gegen Schall. Sie werden immer „dichter“. Das ist, bis zu einem gewissen Grad, auch durchaus wünschenswert – man merkt es im Winter beim Heizen. Und im menschenfeindlichen Umfeld von Städten und dicht besiedelten Wohngebieten geht es ohne Schallisolation praktisch nicht. Aber es wird übertrieben, besonders bei sogenannten „Niedrigenergiehäusern“, die ich einfach als totisoliert bezeichne und die in jeder Hinsicht eine „niedrige“ Energie haben. Nichts fließt, alles ist blockiert, alles ist unnatürlich. Das macht krank (der Begriff „Sick Building Syndrome“ ist selbst im Mainstream angekommen…) und ist ein zu hoher Preis für die paar Gramm Heizmaterial, die man vermeintlich „einspart“. Meine Vorstellung von Architektur ist so offen, wie es persönliche Komplexe, Klima und Umgebung zulassen.
  • Einförmigkeit. Unangepaßtheit an Ort, Klima, Landschaft. Häuser werden fast überall auf der Welt sehr ähnlich gebaut – von der Form bis zum Material. Ausgeglichen wird dann mit „Haustechnik“, Heizungen, Klimaanlagen, Kunstlicht, etc.pp. – ich finde es dagegen angenehmer und sinnvoller, sich an den örtlichen Gegebenheiten zu orientieren. Von einer an die lokalen klimatischen Bedingungen anpaßten Bauweise bis hin zur optischen Gestaltung, die ein Gebäude auch als sanften Hügel in die Landschaft integrieren kann, statt mit ätzenden, phantasielos geformten, pflanzenfreien Dächern die Gegend zu verschandeln…
  • Bauen für die Ewigkeit… zumindest tut man so. Auch wenn Pfusch, Betrug und Plastikschrott dafür sorgen, daß die wenigsten heute gebauten Häuser sonderlich lange halten, sind die Materialien denkbar unorganisch und hartnäckig. Der Schutt bleibt „ewig“, auch wenn die Hütte alle paar Jahre renoviert und alle paar Jahrzehnte abgerissen und ersetzt werden muß – warum stattdessen nicht gleich Wohngebilde formen aus Material, das zur natürlichen Umgebung des Ortes gehört (Holz, Lehm, Stroh, Schilf, Steine, Erde…), das man durch ein paar Fenster, Kabel, Rohre, HighTech-Folien ergänzt. Ist man nach ein paar Jahren der Hütte überdrüssig, oder wird das Holz langsam morsch, oder ist einfach eine neue Umgebung fürs Gemüt fällig, entfernt man die unorganischen Materialien, die man größtenteils für den nächsten Bau wiederverwenden kann, und wirft ein Streichholz in den Rest. Bzw. wartet, bis er sich selbst kompostiert hat. Fertig.

Ich habe die ersten Versuche in Richtung einer menschengemäßen Wohnsituation bereits praktisch erprobt, habe mir etliches andere, von Tipi bis Strohballenhaus, angesehen bzw. mich mit Informationen vollgestopft.

Wenn der Elfenwald seinen Ort gefunden hat, werden wir passende Ideen für diesen Ort entwickeln und umsetzen, zumal einen in Paraguay dabei nicht regelungssüchtige Baubehörden und DIN-Norm-Fetischisten behindern.

Ein paar Anregungen, die dabei sicher einfließen werden:

  • lieber mehrere kleine, als ein großes Gebäude. Ein Vorratskeller erfordert andere Baumaterialien und eine andere Lage, als eine luftige Sommerhütte, und ich fand es schon immer blödsinnig, Nahrungszubereitung und „Schlafzimmer“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu haben… Und warum sollte nicht jeder von uns mindesten zwei Hütten haben, eine kuschlig-warme, festere, für die kühleren Zeiten, oder wenn man schutzbedürftig ist und sich in eine „Höhle“ zurückziehen möchte – und einen luftigen Lagerplatz für die schöne, warme Zeit, vielleicht eine offene Planenkonstruktion in einem Baum, vielleicht eine leichte Bambushütte – das soll jeder mit Phantasie und Spieltrieb selbst herausfinden.
  • früher oder später wird es ein Gemeinschaftshaus geben (evt. wird zunächst ein bereits auf dem Gelände befindliches „normales“ Gebäude dafür verwendet, das dann später als Gästehaus fungieren kann). Eine festere Konstruktion, die einen Großteil der „Technik“ (Serverraum, Stromspeicherung, etc.) und andere feuchtigkeitsempfindliche Dinge (Bücher…) beherbergt, eine Bibliothek, Meditations-/Besinnungsraum, Seminarraum, etc.pp. Ich habe da so eine Pyramidenkonstruktion aus Holz und Glas im Kopf – aber das wird sich noch weisen und ist nicht für die ersten Monate relevant, vielleicht auch erst nach ein paar Jahren, zumal das Ding auch etwas mehr Geld kosten wird.
  • auch für die technischen Bedürfnisse, von Kochen bis Scheißen, Waschen bis Heizen, werden wir Lösungen für den Ort maßschneidern und fröhlich das Feinste, was es an aktueller Technik gibt, mit sehr simplen und effizienten natürlichen Methoden mischen. Z.B. sind aufwendige und wartungsintensive Hauskläranlagen völliger Blödsinn, wenn man halbwegs bewußt lebt – stattdessen werden ein paar Schilfbeete/Pflanzenkläranlagen problemlos mit Neutralreiniger und Waschmittel fertig, sind praktisch wartungsfrei, und liefern gleich noch Bau-/Heizmaterial. Und was hindert einen, zwar sein mit der Solarpumpe gefördertes Trinkwasser durch eine supermoderne Umkehrosmoseanlage zu quetschen – aber dann fröhlich auf einem „primitiven“ Schilfgrasfeuerchen seinen Tee zu kochen… oder im Solarkocher…
  • Recycling-Architektur. Wenn man mit Müll baut, weil man nichts anderes hat, kann das ärgerlich sein. Kann aber auch richtig benutzbare und schöne Ergebnisse bringen. Wenn man die Möglichkeit hat, Abfallmaterialien mit anderem zu kombinieren, können sehr faszinierende, hochfunktionale und ästhetisch ansprechende Gebäude entstehen – Beispiel dafür ist die „Earthship“-Bewegung, die v.a. in Kalifornien zeigt, was alles möglich ist, wenn man ein bißchen nachdenkt und spielt… Jedenfalls ist es auch ein Aspekt, daß nicht immer teure Lösungen besser sind als billige oder Nulltarif-Varianten. Mein gegenwärtiges Kompostklo z.B. gehört zu den schönsten Scheißhäusern weltweit, *lach*, und entstand größtenteils aus den Überresten eines zusammengefallenen Jägerstandes. Materialkosten für Eimer, Trichter, Schlauch, Baumwoll-Planendach etc. – unter 20 Euro. Und meine aktuelle kleine Schilfkläranlage entstand mit einem finanziellen Aufwand von ebenfalls rund 20 Euro – und verrichtet ihre Arbeit ganz wunderbar. Damit wir uns richtig verstehen: ich habe auch kein Problem damit, ein paar zehntausend Euro in irgendeinen HighTech-Kram (Brennstoffzellen etc.) zu stecken oder ein paar Marmorfliesen vor das Kompostklo zu legen, wenn es Sinn ergibt und mir danach ist und das Geld grad greifbar ist. „Billig“ ist nicht notwendigerweise „besser“, weder in technischer, noch in ethischer Hinsicht. Aber kleines Budget ist keine Ausrede dafür, nichts zu tun und nicht einfach zu experimentieren und zu improvisieren, und oft lassen sich damit mindestens gleichwertige Ergebnisse erzielen.

…und….so….weiter…. ;-)

Hier wird sicher öfter ergänzt und umgeschrieben, und spätestens, wenn es „losgeht“, wird es auch mehr Bilder von den dortigen Experimenten geben.

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