Ein Thema, das mir schon lange im kognitiv-verbalen Enddarm drückt: Scheiße. Unsere. Und unser (Nicht-)Umgang damit. Heute reden wir endlich darüber. :)

Die Erfindung des inhäusigen Wasserklosetts („WC“) wird oft als eine der größten Erfindungen der Menschheit gepriesen. Schon vor langer Zeit waren die Kreter darauf gekommen, dann dauerte es ein paar Jahrhunderte, bis die zunehmend in Städten siedelnden Mitteleuropäer die „Technologie“ wiederentdeckten und nicht mehr ihre Nachttöpfe aus dem Fenster auf die Straße kippten…

Heute sind Abwassersysteme, an die auch mehr oder minder leuchtendweiße Kloschüsseln angeschlossen sind, eine Selbstverständlichkeit in allen „zivilisierten“ Weltgegenden.

Die Skizze von Hundertwasser, die ich im Text erwähne, fand ich leider online nicht - aber hier ist einer seiner frühesten Entwürfe zu "Baum-Mietern" und zur hausinternen Kompost-Nutzung... :)

Die Skizze von Hundertwasser, die ich im Text erwähne, fand ich leider online nicht – aber hier ist einer seiner frühesten Entwürfe zu „Baum-Mietern“ und zur hausinternen Kompost-Nutzung… :)

Aber ist es wirklich der Weisheit letzter Schluß, die Endprodukte unseres Stoffwechsels mit Schmutzwasser und allem anderen kilometerweit durch Rohre und Kanäle zu pumpen, um sie dann aufwendig in „Kläranlagen“ und „Rieselfeldern“ zu verarbeiten damit wir sie letztlich als Blumenerde zurückkaufen dürfen? Oder, wie hier in Paraguay noch die Regel, stinkende und nutzlose „Sickergruben“ zu verwenden? Und unsere Klos meist mit massivem Gifteinsatz schön leuchtendweiß zu halten (was die Bakterien trotzdem nicht juckt…)… Oder ist das alles nicht doch eher ein Griff ins Klo?

Schon die durchgeknallt-geniale Architekten-Legende Hundertwasser hatte bessere Ideen: in seinen Entwürfen für genial schöne Mehrfamilien-Stadthäuser gibt es eine Art Innenhof/Gewächshaus, und da ist auch ein Klärbeet integriert, wo der menschliche Dünger (mit spitzer Feder unmißverständlich als „Pisse“ und „Scheiße“ etikettiert) zusammen mit anderem Abwasser umgewandelt wird.

Natürlich ist es einfacher, „auf dem Lande“ eine alternative Lösung zu nutzen (oder bei den Baubehörden durchzubringen) als in den Ameisenhaufen der Großstädte – da ist man eher auf neuerungswillige Architekten und Bauherren angewiesen, die im Hundertwasser-Stil gleich anders planen und autarkere Häuser konzipieren.

Möglich ist es aber prinzipiell überall – in den letzten Jahrzehnten haben sich eine Vielzahl von Lösungen etabliert – vom einfachen Selbstbau-Kompostklo bis zum absoluten High-Tech-Gerät für die Stadtwohnung. Und selbst die regelungsverliebte EU-Bürokratie akzeptiert zumindest die „ordentlicheren“ und DIN-gerechten Varianten von Kompostklo und Schilfbeet-Kläranlage mittlerweile, je nach Region und Bausituation. Ein paar der Lösungen sind mir zu technisch und aufwendig (z.B. solche mit integriertem kommerziellen Biogas-Reaktor), die lassen wir weg – aber sehen wir uns ein paar praktisch benutzbare Beispiele an:

Low-Tech / Selbstbau-Kompostklo

Ich finde ja inhäusige Toiletten eher abartig – vom Reinigungsaufwand über den Wasserverbrauch bis hin zu der grundlegenden Tatsache, daß man in seinen unmittelbaren Wohn- und Lebensraum scheißt – das macht kein Hund!

DAS ist ein Klo! ;-)

DAS ist ein Klo! ;-)

Selbst bei brauchbaren Entlüftungsmöglichkeiten hockt man  im eigenen Mief und hat die Schwaden durch die Wohnung ziehen…Und nein, abartige Raumluftsprays sind in meinen Augen auch nicht wirklich die Lösung.

Und der alte Feng Shui rotiert auch im Grabe, besonders wenn man dann noch den Deckel vom Klo immer offen läßt… Egal:

Wenn man ländlich lebt und ein wenig Platz hat: raus mit dem Klo ins Freie!!! Wenigstens in einen Anbau oder ein „Waschhaus“ – da kann man dann auch gleich die ganze andere Wasserinstallation unterbringen, die auch nicht ins Wohnhaus gehört… Oder gleich separat irgendwo an den Waldrand… Klar – wenn es kalt ist, zwickt einen der Frost mal ein wenig in die Hinterbacken. Härtet ab und hält gesund. In warmen Ländern eh kein Problem. Und mancher wird sich vielleicht eher ein kleines wettergeschütztes und „privateres“ Klohäuschen bauen, als wie ich den Thron einfach nur unter einen Baum oder unter eine Plane zu stellen. Das grundlegende Bauprinzip ist in jedem Fall ähnlich und höchst simpel – man kann ein Kompostklo sehr einfach selber bauen!

Das wichtigste bei einem Kompostklo: Flüssiges und Festes trennen (selbst wenn man es später wieder zusammenrührt, z.B. für Terra Preta). Hat chemische und praktische Gründe: es stinkt VIEL weniger und erleichtert die Handhabung sehr. Deswegen sind übrigens die meisten transportablen „Campingtoiletten“ aus dem Handel NICHT geeignet – stinken, brauchen Chemie, nerven.

Ansonsten soll das Ding das wir uns bauen natürlich halbwegs bequem und robust sein… :)

Was brauchen wir also?

  • Kompostklo im Zuckerrohrfeld - sehr idyllisch ;-) - der Urin düngt einen kleinen Frangipani-Baum, der das klasse fand und immens gewachsen ist!

    Kompostklo im Zuckerrohrfeld – sehr idyllisch ;-) – der Urin düngt einen kleinen Frangipani-Baum, der das klasse fand und immens gewachsen ist!

    Robustes Bauholz (einfache Latten, Rundhölzer, … – mein erstes Kompostklo habe ich aus den halbrunden Latten eines umgefallenen alten Jäger-Hochsitzes gebaut… ;-) ) nebst Schrauben/Nägeln und ein wenig Werkzeug und Schleifpapier zum Glätten (wollen ja keine Spreißel im Arsch!). Alternativ eine ausgediente alte Sitzgelegenheit, z.B. Plastikgartenstuhl oder Faltsessel, die man anatomisch passend aussägen/ausschneiden kann und die groß genug ist, um die anderen Komponenten unterzubringen…

  • einen robusten Eimer mit Deckel (kann man neu kaufen, oder man nimmt gebrauchte Lackeimer, Margarine-Eimer aus der Gastronomie, etc.pp.), ggf. noch einen zweiten und dritten („Schichtbetrieb“, Gründe s.u.) und einen noch extra, für das Streugut (Holzkohlestaub, Rindenmulch, oder einfach Erde…)
  • einen großen Trichter, Plastik oder nicht-rostendes Metall und ein Stück Schlauch für den Urin-Ablauf
  • einen Kanister bzw. mehrere, um den Urin aufzufangen und zu lagern, bis man ihn braucht. Alternativ das Klo so positionieren, daß der Urin einfach ins generelle Klärbeet läuft, wo auch die anderen Haushaltsabwässer/Duschwasser, etc. landen. Oder ein Extra-Mini-Klärbeet am Klo anlegen – ich hatte eins aus einer alten Waschschüssel gebaut, da wohnten dann sehr bald eine lustige Maus und ein Frosch ;-)
  • ggf. noch ein paar flache Natursteine oder Ziegel, damit der Eimer unterm Klo gut steht und nicht umkippt… ;-)
  • Gartenschlauch oder sonstigen Wasseranschluß in der Nähe, damit man gelegentlich den Trichter spülen kann, sich Hintern und Hände waschen kann, etc. Oder man gewöhnt sich einfach an, 2-3 Liter Wasser mitzunehmen in Krug oder Buddel.
  • Je nach persönlicher Verweichlichung ;-): Material, um eine Hütte um das Klo herumzubauen – oder eine einfache Plane (superrobust sind z.B. alte, gebrauchte Militär-Zeltplanen, kriegt man obendrein meist spottebillig bei den einschlägigen Versendern) , die man mit ein paar festen Schnüren/Zeltleinen über den Thron spannt, damit Thron und jeweilige „Be-Sitzer“ nicht unnötig viel Regen abbekommen. Außenrum Sachen pflanzen wie Weiden, Bambus, Topinambur… Dinge, die Privatsphäre bieten und etwas Windschutz.

Das war’s schon. Man kann natürlich Aufwand nach Belieben treiben, mit Natursteinen und Lehm hübsche Konstruktionen machen, die man dann noch mit Blumen bepflanzt, oder was auch immer. Mir wurscht – nur dran denken, daß eine Seite zugänglich bleiben muß, irgendwo muß man ja den Eimer rausziehen und austauschen können!

Den Trichter leicht schräg vorne montieren (z.B. mit einem Stück Blech, das man um den dünnen Teil des Trichters biegt und beiderseits festnagelt am Stuhl, werdet kreativ ;-) ) und den Eimer so positionieren, daß sie leicht überlappen, dann geht auch bei Frauen oder wenn man in Eile ist möglichst wenig daneben… :)

Kaputter Faltsessel, paar Hölzer, Trichter, Schlauch, Eimer - fertig. ;-)

Kaputter Faltsessel, paar Hölzer, Trichter, Schlauch, Eimer – fertig. ;-)

Den Sitz kann man machen, wie man will (manche montieren auch eine Klobrille aus dem Handel). Ich fand zwei leicht schräg angeordnete Latten (an den Kanten schön abgerundet und glatt geschliffen), die nur hinten drehbar befestigt sind, am besten: so kann man mit einem Handgriff den Sitz für verschieden breite Gesäße optimal anpassen.

Die Ergebnisse meiner bisherigen (handwerklich/ästhetisch eher gleichgültigen, aber höchst bequem-funktionalen) Kompostklo-Bauaktionen siehst Du auf den Bildern – das erste, weiter oben abgebildete mit der Plane drüber war noch in Deutschland, die anderen beiden hier in Paraguay. Alle haben viele Monate/teils Jahre ihren Job gemacht, und sind auch Frauen-zertifiziert ;-)

Natürlich sind so ein Thron und seine Benutzung für „Hygiene“-indoktrinierte Zivilisationsmenschen erstmal gewöhnungsbedürftig und eine kleine Herausforderung – vor allem, weil die meisten Ekel-Assoziationen haben von einem Donnerbalken über einer stinkenden, fliegenverseuchten Grube, oder die Würgreiz verursachenden Chemietoiletten von irgendwelchen Festivals kennen und hassen… Aber die meisten lernen schnell, stellen fest, daß bei einem richtigen Kompostklo gar nix „eklig“ ist (übrigens auch kein Fliegenproblem, wenn man es richtig macht), und finden es bald ebenfalls herrlich , in der Morgensonne auf dem Klo zu hocken und den Schmetterlingen zuzusehen :) „Heeeeh – biste bald mal fertig, muß auch mal…“ – „Moment, mach grad noch Bilder… “ ;-)

Superbequemer Outdoor-Thron aus Hartholz-Latten im Grünen :)

Superbequemer Outdoor-Thron aus Hartholz-Latten im Grünen :)

Ach ja, die Benutzung, sehr kompliziert… ;-)

Deckel öffnen und beiseite legen, gemütlich hinsetzen, so positionieren, daß man in den Trichter pinkelt und die Feststoffe im Eimer landen. Geschäft verrichten. Hintern  je nach Bedarf grob mit Klopapier vorreinigen (Klopapier je nach Geschmack mit in den Eimer, oder separat in einer Blechdose verbrennen), „absteigen“, eine Handvoll oder zwei (nicht mehr) vom Streugut über die Scheiße streuen, Eimer wieder schließen. Mit Gartenschlauch Hintern waschen und kurz den Trichter durchspülen. Pfoten waschen. Fertig.

Zur Verwendung der Ergebnisse: siehe unten.

 

Einfache Fertig-„Trocken-Trenn-Toiletten“ bzw. Kompostklos zum Kaufen

Wem die Bastelei zu blöd ist, oder wer lieber ein etwas weniger selbstgebaut aussehendes „Örtchen“ auch für seine Besucher haben möchte, findet mittlerweile im Handel ein paar wenige, sinnvolle Teile oder komplette Komposttoiletten zum Kauf. Meist vom schwedischen Hersteller Separett.

Klappbares Kompostklo von Separett. Hier mit Auffangbeutel abgebildet - geht auch mit Eimer.

Klappbares Kompostklo von Separett. Hier mit Auffangbeutel abgebildet – geht auch mit Eimer.

So kann man entweder nur einen „professionellen“ Trenn-Klositz mit Deckel, integriertem Pinkeltrichter und Schlauch bestellen und in seinen Eigenbau integrieren (gibt’s z.B. in „zivilisationstauglicher“ Form hier bei Amazon anzusehen und zu bestellen).

Auch das faltbare Kompostklo von Separett (siehe Bild links) ist nicht uninteressant – zwar für die Verwendung von Beuteln konzipiert, aber sicher auch mit Eimer nutzbar – auch dieses Modell gibt es einfach und sogar relativ günstig (aktuell rund 120 Euro inkl. Versand) bei Amazon.

Hier ansehen und bestellen!

Während der Nur-Sitz eher für ästhetisch orientierte Selbstbauer interessant ist, finde ich die Klappversion durchaus attraktiv: das Gebastel und Gefummel entfällt, das Ding ist recht klein, und man kann es auch gut als „Zweitklo“ nutzen, wenn z.B. in einer Mietwohnung nicht ohne weiteres ein richtiges Kompostklo eingebaut werden kann, man aber trotzdem seinen Balkonpflanzendünger haben will… :)

Du siehst: mangelndes Geschick oder Bastel-Unlust sind keine Ausrede, nicht mal ein Kompostklo auszuprobieren!

 

High-Tech Kompostklo

Eigenbauten und Provisorien kann man mit etwas Phantasie und Frechheit natürlich vielerorts verwenden, auch wenn man keinen Hektar Land zur Verfügung hat, aber auf dem Balkon der Stadtwohnung wirds dann vermutlich doch unangenehm und handelt einem unnötigen Ärger ein.. ;-)

Auch so kann ein Kompostklo aussehen - und sich perfekt in eine "bürgerliche" Umgebung integrieren.

Auch so kann ein Kompostklo aussehen – und sich perfekt in eine „bürgerliche“ Umgebung integrieren.

Für diesen Fall, oder für’s ordentliche deutsche Reihenhaus, gibts DIN-genormte und Baubehörden-taugliche High-Tech-Lösungen. Sehen aus wie ein groß geratenes „normales“ Klo, haben einen Tank (teils sogar mit Rührwerk) und clevere integrierte Abluftsysteme, und wenn man etwas Verrottungshilfe/Kompoststarter zugibt und 2-3 Tanks im Wechsel betreibt, bekommt man quasi fertige Blumenerde geliefert. Bei einem „normalen Klogefühl“, das auch Spießergäste nicht schockiert. ;-)

Die Anschaffung (gute Modelle bei 2-3.000 Euro)  und die höheren Unterhaltskosten (manche brauchen Strom, Nachkauf von Kompoststarter, etc.) können sich durchaus lohnen – besonders wenn man das Ergebnis dann für’s städtische Guerilla-Gardening oder die Balkon-Permakultur / Terrassengarten (hier einige praktische Bücher dazu) einsetzt und selbstgedüngtes Bio-Gemüse / Blumen / wasauchimmer damit wachsen läßt!

Persönlich habe ich mit diesen High-Tech-Toiletten kaum Erfahrung – aber nach diversen Berichten im Netz scheinen sie recht gut zu funktionieren und sind allemal besser als nix… :)  Zu beachten: während Komposttoiletten keinen Wasseranschluß benötigen, brauchen die Systeme für den Innenbereich eine Entlüftungsmöglichkeit, also muß man ggf. einen Wanddurchbruch einkalkulieren oder das (meist 75mm) Rohr sonstwie durchs Fenster oder in die Haus-Entlüftungsanlage  integrieren.

Eines der bekannstesten und bewährtesten Modelle ist die „Biolan Naturum“, der weiße „Thron“ sieht auch für bürgerlichere Gemüter einladender und ansprechender und nicht so hippie-mäßig aus.. ;-) Hier ansehen und/oder bestellen!

 

Randbemerkung: Klopapier?

Wer in unserer westlichen Zivilisation aufgewachsen ist, ist an Klopapier gewöhnt. Frauen wickeln sich meist eine halbe Rolle um die Hand, um ja nichts zu berühren, Männer falten systematisch zwei Blättchen mehrfach und überwachen optisch den Bräunungsgrad, um die Nutzung zu optimieren. Wie auch immer: Unmassen von Papier werden verwendet, um sich grob gesagt die Scheiße gründlich in die Poren zu massieren. Von Absurditäten wie einzeln abgepackten Feuchttüchlein wollen wir gar nicht erst reden.

Und vielen fehlen nicht nur grundlegende Techniken (Arschbacken auseinanderziehen beim Hinhocken! Schmiert weniger! LOL), sie ernähren sich auch noch so, daß das Endprodukt ein klebrig-schmierig-weiches Etwas ist statt fester Würste.

Für mich waren es Reisen, die mir gezeigt haben, daß es auch anders geht. Ein gemeinsam benutzter und nur sehr sporadisch gewaschener alter Lappen neben einem Loch in der Erde ist zwar auch nicht sonderlich attraktiv – aber v.a. in Indien nimmt man einfach Wasser, um sich zu reinigen, selbst in vielen guten Hotels dort hängt zwar eine Rolle Klopapier für die Westler, aber daneben steht der Schöpfkrug.

Und in der Tat: die Verwendung eines Kruges Wasser (oder Bidet, oder Gartenschlauch beim Außen-Kompostklo, …) spart nicht nur Papier (und man hat nicht die Papierfetzen im Klärbeet…), man hat auch anschließend einen wirklich sauberen Hintern. Hände waschen, fertig. Gute Sache, besonders wenn das Wasser nicht „verbraucht“ wird, sondern wieder im Klärbeet / Garten / sonstige Grauwasser-Aufbereitung landet.

Papier gibt es bei mir nur noch für unerleuchtete Wischer-Gäste und die „grobe Vorreinigung“, wenn die Verdauung mal etwas durcheinander ist. Beim Außen-Kompostklo kann man übrigens eine Konservendose mit ein paar Löchern drin parken und ein Feuerzeug/Streichhölzer: gebrauchtes Klopapier dann einfach da rein und abfackeln lassen, während man sich wäscht.

Nutzung als Dünger

Was machen wir nun aber mit den ganzen guten Hinterlassenschaften, mit oder ohne Klopapier? Zwei Hauptverwendungsmöglichkeiten: mit einem geeigneten „Reaktor“ kann Biogas gewonnen werden (darüber reden wir aber heute nicht, ist auch technisch aufwendiger), oder man düngt damit seine Pflänzlein!

Aber kann und darf man denn einfach so menschliche Fäkalien als Dünger verwenden?

Menschenkacke nicht im Garten verwenden? Da lachen ja die Hühner... die auch gerne auf unserem Kompostklo chillen ;-)

Menschenkacke nicht im Garten verwenden? Da lachen ja die Hühner… die auch gerne auf unserem Kompostklo chillen ;-)

In der kommerziellen Landwirtschaft könnte das, wenn nicht erst gründlich umgewandelt/kompostiert wurde, zu Debatten mit irgendwelchen Lebensmittelüberwachungsfuzzis führen. Coli-Bakterien und so… !!!! ANGST !!!!!! Gülle aus Rinder- oder Schweine-Konzentrationslagern ist bestimmt viel besser und hygienischer… ahem…

Vor nicht allzulanger Zeit war die Verwendung menschlicher Fäkalien in der Landwirtschaft auch in Europa noch völlig normal – so ist ein Brief der Tübinger Winzer überliefert, die immer die Klogrubeninhalte der Kneipen aufkauften und ihre Weinberge damit düngten. In dem Brief lamentieren sie, daß sie – ganz Schwaben der bekannten Art – künftig weniger bezahlen wollen, weil der ganze „Studentensoich“ einfach nicht so gehaltvoll wäre wie früher, wo mehr wohlernährte kernige Bauern in die Gruben geschissen und gepißt hatten als so blässliche unterernährte Studiosi… *amüsier*

Im privaten Bereich ist das alles kein Problem – man muß nur beachten, daß viele Pflänzlein so starken und frischen Dünger nicht so gut verkraften. Also in Maßen, und lieber die robusten Pflanzen düngen wie Kürbis, Zucchini, oder alles, was auch sonst gerne auf frischem Dünger oder auf dem Komposthaufen wächst… und vielleicht auch nicht gerade  zwei Tage vor der Ernte…

Oder – wie es viele machen – zunächst Grünsträucher, Hecken, Bäume damit düngen, den dann vermehrten Grünwuchs schneiden und kompostieren – und so die Biomasse indirekt nutzen. Eine weitere Möglichkeit ist, den Brei mit Holzkohle zu „Terra Preta“ (dazu separat in diesem Artikel über „Terra Preta“ und „Effektive Mikroorganismen“) zu verarbeiten und als Langzeitdünger, Wasserpuffer, etc. im Boden zu verteilen. Oder auf einem separaten Komposthaufen gründlich und lange kompostieren zu lassen.

Ich empfehle zwei kleine Tricks, um die Verwendung als Dünger so effektiv und benutzerfreundlich wie möglich zu machen:

  • Das richtige Streugut verwenden. Bloß keinen chemischen Mist für die „Hygiene“, wie bei Campingtoiletten oft üblich (das Zeug SOLL ja verrotten!) oder ungelöschten Kalk oder dergleichen aggressives Zeug. Vollkommen unnötig und kontraproduktiv. Normale, lockere Gartenerde, Rindenmulch oder Blattmulch/Nadelmulch aus dem Wald, Holzkohlestaub vom Köhler, wenn man einen in der Region hat, Holzasche aus Kamin/Ofen/Feuerstelle sind, ggf. auch miteinander gemischt oder abwechselnd,  die besten. Besonders empfielt es sich, hier und da eine Handvoll frischer Erde mit in den Eimer zu geben – fördert durch die enthaltenen natürlichen Bodenorganismen die Verrottung.
  • mehrere Eimer verwenden. Dann muß man nicht immer gleich den „frischen“ Inhalt irgendwo unterbringen, sondern kann, je nachdem wie viele Leute das Klo benutzen, die vollen Eimer noch mehrere Wochen „reifen“ lassen. Besonders im Sommer ist der Inhalt dann schon ganz gut vor-verrottet und kann besser als Frischdünger verwendet oder leichter und „unekeliger“ weiterverarbeitet werden. Ggf. den Eimerinhalt noch bissl anfeuchten, bevor man den verschlossenen Eimer irgendwo zum Reifen parkt, dann kann es schön vor sich hingammeln und gären… :)

Na dann, ich hoffe, Du hast ein paar Ideen bekommen!

Frohes Basteln – und  ich wünsche produktive Sitzungen! :)

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