Versprochen: das ist der vorletzte “negative” Artikel, dann gibt es wieder mehr nette Dinge und Bilder. ;-)

Aber aus aktuellem Aufrege-Anlaß gerade noch mal zur Thematik “Banking im Ausland”, die wir neulich schon beim Thema “MobileTAN / iTan” hatten.

Mich fasziniert es jeden Monat neu.

Wie bei vielen Auslandsdeutschen, speziell den WebWorkern, sieht mein Geldfluß ungefähr so aus:
Paypal/Moneybookers/etc. -> Bankkonto -> PrePaid VISA Kartenkonto -> Geldautomat -> Hosentasche.

Provisionen von Ebay & Co werden gegen Ende des Monats auf Paypal, Moneybookers oder ein anderes zeitgemäßes Zahlungssystem ausgezahlt.

Gutschrift erfolgt in Sekunden, alles bestens, Betrag in Echtzeit verfügbar. So gehört sich das.
Sagen wir mal, wie haben das Geld am 25. im Paypal-Account.

Aber wie kommen wir dran, besonders, wenn man in einem Land lebt, wo die meisten Dinge noch anständig bar auf Tatze bezahlt werden?

Auch Freunde der Entschleunigung können von der ungerechtfertigten Bummelei der Postkutschen-Bankster genervt sein…

Genau – wie die meisten, habe ich irgendwo ein Bankkonto. Und – bei einer anderen Bank – eine VISA Prepaid, also eine “wiederaufladbare” VISA-Karte, mit der man im Ausland Geld abheben kann, die man ohne SCHUFA-Gestapo-Geschisse bekommt, und die bei Verlust kein großes Risiko darstellt, weil nur das aktuell aufgeladene Guthaben verbraucht werden kann.

Also: von Paypal auf’s Bankkonto auszahlen lassen.
Das dauert in den Computersystemen der Banken geschätzte 340 Millisekunden.

OK – neuerdings werden ja alle privaten Banktransaktionen gehorsam an unsere “Freunde” in den USA gemeldet (“SWIFT”-Abkommen), also rechnen wir noch 23 Millisekunden drauf.
Jedenfalls: nach rund einer halben Sekunde hat meine Bank mein Geld. Zu buchen und verfügbar zu machen wäre es also quasi sofort, allerspätestens am nächsten Kalendertag.

Stattdessen: zwei bis drei Banktage, also zwei bis vier Kalendertage – denn Samstag und Sonntag tun die Herren Geldwechsler nix, höchstens zocken, Forex hat ja für Großzocker immer offen.

Hat die ratternde Postkutsche es mit meiner Monatskohle endlich von Luxemburg (Paypal) nach München (Direkt Anlage Bank) geschafft und ist entladen worden, soll ein Großteil des Geldes gleich weiter, nach Berlin (auf’s LBB Kartenkonto).

Und nun ratet: genau. Die Distanz ist weiter, deshalb braucht die Postkutsche NOCH länger. Die LBB hat schon 10 Kalendertage geschafft, bevor mein Geld im Online-Reporting meiner Prepaid-Karte auftauchte, im Schnitt aber mindestens 5.

Selbstverständlich haben auch diese unfähigen Zocker das Geld nach Sekunden. Aber da die Prepaid-Karten über ein Sammelkonto aufgeladen werden (wobei auch die interne Umbuchung von Sammelkonto auf Kartenkonto garantiert nicht mehr manuell erfolgt…), laviert die Bande sich sogar um die ohnehin schon lächerlichen gesetzlichen Bestimmungen (3 Banktage max.) herum und läßt sich richtig Zeit. Und das bei 39 Euro Jahresgebühr, die Prepaid-Kreditkarten sind ja nicht gratis.

Fazit: je nach Lage von Wochenenden und Feiertagen dauert ein Prozeß, der im 21. Jahrhundert allenfalls Minuten in Anspruch nehmen dürfte, bis zu 14 Tagen.

Vor dem 8./9. des Folgemonats komme ich nicht an meine Kohle – denn bis dahin hoppelt die Postkutsche irgendwo über kopfsteingepflasterte Nebensträßlein. Man kann geradezu froh sein, daß wenigstens bei VISA intern dann nicht noch die Geldsäcke über den Atlantik geschippert werden und man dann am Geldautomaten 60 Tage nach Antrag die Scheine abholen darf…

Absurd.

Und bezeichnend, daß es der sogenannte “Gesetzgeber” nicht für nötig hält, das Geldwechsler-Gewerbe mal zu zeitgemäßen Abwicklungszeiträumen und Transaktionszeiten zu zwingen. Man ist ja zu beschäftigt, Milliarde auf Milliarde ins schwarze Loch der Finanzmafia zu schaufeln…

So, wieder genug aufgeregt. Jetzt geh ich meine kleinen Entchen angucken, das ist lustiger ;-)

3 Antworten auf Banking im Ausland: mit der Postkutsche durch’s 21. Jahrhundert

  1. Absolon sagt:

    Bei mir geht es kürzer: V-Scheck an Cooperative Carlos Pfannl -> Bargeld sofort :-)

    • Martin (siteadmin) sagt:

      Hehe, ja, wenn wir hier in der Gegend bleiben, werden wir uns auch mal bei den Pfannls engagieren. Deutscher V-Scheck? Wird man bei denen auch Ami-Schecks (Amazon Affiliate, Clickbank, etc.) los, ohne 80% Gebühren zu zahlen – das würde mir ein paarmal pro Jahr den Umweg über einen deutschen Briefkasten ersparen… ;-)

  2. Absolon sagt:

    Keine Ahnung, aber Fragen hilft bestimmt…

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